Mittwoch, 26. April 2017

Preview/Review: Havukruunu - Kelle Surut Soi (CD, Naturmacht Productions - 2017)

Die Finnen HAVUKRUUNU melden sich nun auch endlich wieder mit einem neuen Album zurück! "Kelle surut soi" wird es heißen und am 29.04.17 erscheinen. Einmal mehr über die deutsche Tonschmiede Naturmacht Productions.








Alles beginnt mit einem schönen Akustikgitarrenspiel unterlegt mit einigen Natur-Samples und dann geht es auch schon langsam über in den treibenden Black Metal mit mächtig Viking-Einschlag, der so typisch für die Band ist. Allein während des ersten Liedes "Jo näkyvi pohjan portit" lassen sich die beiden Mannen nicht lumpen und fahren alle Geschütze auf und bieten dem Hörer ein wahres Feuerwerk an Emotionen, Stimmungslagen und Eindrücken. Instrumental gesehen absolut und über alles erhaben - und bei Luzifer: hätte die letzte MORRIGAN einen solchen Klang gehabt, ich wäre auf der Stelle in Tränen ausgebrochen, hätte mich fallen gelassen und wäre gestorben. So habe ich dann doch nicht einmal ihre erneute Auflösung beweint (wobei MORRIGAN ja inzwischen wieder aktiv sein soll - aus Finnland aus). Aber egal, ich schweife ab. Wenn ein Album natürlich schon so anfängt, bleibt zu hoffen, dass das Niveau, welches die Band hier schon gleich zu Anfang gesetzt hat, auch dauerhaft gehalten werden kann. Da kann ich allerdings jeden gleich einmal beruhigen und den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen: das Album bleibt ein Brett und mit jeder einzelnen gespielten Note, mit jedem Riffing, mit jedem Schrei hört man dem Duo die Leidenschaft an, mit der sie auf "Kelle surut soi" zu Werke gegangen sind. Es bleibt gleichwohl episch, spannend und instrumental gesehen sehr ausgefeilt und detailverliebt. Highlight stellt für mich "Vaeltaja", der passender Weise sogar ziemlich in der Mitte des Album platziert wurde und mit seinem etwas langsameren, fast schon schwermütigen Stil überzeugt und auch aus dem Rest der Lieder heraus sticht.

Fazit:
HAVUKRUUNU präsentieren mit ihrem neuen Album eine konsequente Weiterführung ihres Debüts und eine weitere Verfeinerung ihres ohnehin schon sehr authentischen Mix aus Viking und Black Metal. So ganz kam meine Rezension dann auch nicht ohne einen Verweis auf MORRIGAN aus, das müssen sich die Herren halt dann doch gefallen lassen. Auch sollten hier alle mal ein oder zwei Ohren riskieren, die mit der Viking-Ära von BATHORY etwas anzufangen wissen. "Kelle surut soi" ist vielleicht nicht in allen Facetten ein perfektes Album - es kommt dem aber schon sehr, sehr nahe! Die CD wird wie gesagt am 29.04.17 erscheinen, und zwar in einem schicken Digipak - da es sich um Naturmacht Productions handelt, darf man sich mit Sicherheit auf eine qualitativ hochwertige Verpackung freuen. Bestellungen gehen am besten gleich an die Tonschmiede - mit äußerst fairen 9,50 Euronnen zzgl. Versand ist man dabei.

Für mich definitiv ein bisheriges Highlight der ersten Hälfte von 2017 - Buy or Die!


Darbietungen:
01. Jo näkyvi pohjan portit
02. Vainovalkeat
03. Noidanhauta
04. Vainajain valot

05. Vaeltaja
06. Myrskynkutsuja
07. Verikuu
08. Kelle surut soi

Laufzeit: ca. 51 Minuten

Review: Imha Tarikat - Kenoboros (EP, Terratur Possessions - 2017)

Aus Deutschland stammt diese noch recht junge Horde mit IMHA TARIKAT, die mit "Kenoboros" ihre erste EP veröffentlichten. Dabei hat man als potentieller Interessent die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Formaten - doch dazu später mehr. Interessant ist hier vor allem, dass es wieder mal eine Band geschafft hat, aus dem Nichts heraus ein solches Werk zu schaffen und auch noch die Möglichkeit durch ein inzwischen doch recht bekanntes und trendiges Label, sein Schaffen unter das Volk zu bringen.





Musikalisch entpuppt sich "Kenoboros" als ein fieser Bastard aus Black Metal und Death Metal. Die Facetten des Todesblei spiegeln sich vornehmlich im Gesang wieder, welcher eher stumpf guttural und brüllend aus den Boxen erschallt und in Verbindung mit der recht düsteren Schwarzmetall-Musik einen sehr satanischen und okkulten Flair erzeugt, der absolut authentisch erscheint. Die Musik hält sich vornehmlich im Midtempo auf, scheut sich aber auch nicht dafür gerade beim Schlagzeug auch mal ordentlich Gas zu geben, was den Instrumenten dann doch einen sehr typischen Goat Metal-Charakter verleiht. Zelebriert werden hier insgesamt vier Lieder, wirklich hervorstechend zeigt sich aber keiner, dafür klingen aber alle überraschend individuell, sofern es dieses doch recht begrenzt gesteckte Sub-Genre zulässt. Vor allem die Gitarrensoli gefallen mir und wertet das Geschehen ungemein auf. Mit dem letzten Lied "Tahribat / Cosmic Ashes" präsentiert man sogar einen traditionellen Black Metal Stil, der auch aus den frühen 90ern stammen könnte.

Fazit:
Was IMHA TARIKAT hier geschaffen haben, lässt sich schwer in wenige Worte fassen, denn "Kenoboros" ist ein Werk, welches man wirklich an sich selbst erfahren sollte. Natürlich sucht man großartige Innovationen auch hier vergeblich, wenn die Band auch hörbar um Individualität bemüht ist und es sogar schafft, dies umzusetzen. Ein minimalistisch Werk, welches aber sehr kraftvoll präsentiert wird und gerade deshalb aus der Masse der nahezu täglich neu erscheinenden Bands heraus sticht. Terratvr Possessions bieten die EP sowohl auf Kassette, wie auch als 12'' Vinyl und auf CD an. Für die Black Metal-Wannabes gibt es wie immer auch eine Möglichkeit zum digitalen Download (alles bis auf die CD kann man über die offizielle Bandcamp-Präsenz der Band beziehen). Solltet ihr Interesse an der CD haben, wendet euch am besten an den Underground-Dealer eures Vertrauens.

Death Worshipping Black Metal - definitiv nichts für labile Seelen. Empfehlenswert!


Darbietungen:
A:
01. Grey Path
02. Kenoboros
B:
03. Blazing Hive
04. Tahribat / Cosmic Ashes

Laufzeit: ca. 25 Minuten

Review: Morok - In the Dungeon of Mind (CD, Werewolf Promotion - 2016)

Und wieder Werewolf Promotion... letztes Jahr veröffentlichte die polnische Schmiede das aktuelle zweite Werk der Ein-Mann-Band Морок (Morok) aus der Ukraine. Denkt man an dieses Land, wird man wohl unweigerlich an die politisch nicht gerade sauberen NOKTURNAL MORTUM oder KRODA denken müssen, oder auch an die mittlerweile ziemlich angesagten DO SKONU.







Die Musik von MOROK lässt sich in diesen Reigen ohne Probleme mit anfügen. Einerseits ist das hier präsentierte Liedgut klassischer und ursprünglicher Schwarzmetall, der eine wirklich düstere Atmosphäre an den Tag legt und sich wunderbar als musikalische Untermalung für nächtliche Begehungen dichter Wälder eignet. Andererseits gibt es dann auch sehr melodische Passagen, die gerade dann aufkommen, wenn die sehr heroischen Keyboards einsetzen, was aber nicht durchgehend und nicht bei jedem Lied der Fall ist, für alle, die hier schon das nächste sinnentleerte Geklimper-Album erwarten. Das erinnert dann wirklich ein wenig an die alten Werke von NM, ohne diese jedoch in den politischen Kontext rücken zu wollen. Dann gibt es da auch noch diese Momente, wo "In The Dungeons Of Mind" triste und desolate Züge annimmt und sich dabei sehr stark an alte BURZUM anlehnt, was genau mein Ding ist und was dieses Album in meinen Augen zu etwas sehr besonderem macht - denn diese monotonen Sphären vermag heutzutage wirklich nicht jede daher gelaufene Horde authentisch rüber zu bringen. Geschwindigkeits-technisch gibt sich das Werk auch ziemlich eingängig, wird hier doch sehr soider Midtempo geboten, der jedoch auch schon mal einen Gang zulegt oder auch vom Gas geht. Sehr hymnisch, sehr majestätisch - so muss dat.

Fazit:
Zugegeben, erfindet auch MOROK das Rad mit seinem zweiten Album nicht neu. Damit wird beim bloßen Blick auf das Cover Artwork aber auch niemand ernsthaft rechnen - und wenn doch, dann scheint derjenige etwas grundsätzlich nicht verstanden zu haben. Hier wird ursprünglicher Ukraine Black Metal geboten in all seinen Facetten. Muss man mögen - ich persönlich mag's. Die CD gibt es im Mailorder von Werewolf Promotion für schlanke 7,- Euronnen zzgl. Versand. Das Label bietet ebenfalls eine Tape-Fassung des Albums an.

Old School Black Metal aus der Ukraine. Düster, majestätisch und atmosphärisch trist. Für Liebhaber!


Darbietungen:
01. У вирі часів
02. Tаємниці темряви
03. Tам, де ніч...
04. Крипти розуму (Instrumental)
05. ...обертається на попіл
06. Cред вогких гілок


Laufzeit: ca. 45 Minuten

Samstag, 1. April 2017

Review: Dödgaldr - Ruined and Forgotten (CD, A Fine Day To Die Records - 2017)

Aus Schweden stammen DÖDGALDR, die sich irgendwann in den ausgehenden Mitt-90ern gründeten. Im Jahr 1998 erschien eine erste Kassetten-Demo mit Namen "Thy Kingdom...", ein Jahr später folgte "Lead By Lucifer's Light". Danach wurde es still um das Duo. Bis sich das spanische Label A Fine Day to Die der Band annahm und die beiden Werke wieder etwas populärer machte. Die erste Demo wurde inzwischen auch als weißes Pro-Tape wieder-veröffentlicht. Hier vorliegende CD stellt nun eine Zusammenstellung aus beiden Werken dar und enthält darüber hinaus noch exklusives Rehearsal-Material.




Dabei ist die Titelliste in drei Kapitel unterteilt. Das erste umfasst die Lieder von "Thy Kingdom...". Das "Intro" ist noch ein reines instrumentales Stück, welches klassischen Dungeon Synth im Stile alter MORTIIS oder WONGRAVEN bietet. "Thy Kingdom Ruined And Forgotten" geht dann aber gleich in die Vollen und macht auch gleich deutlich, in welche Richtung die Musik von DÖDGALDR geht. Sie ist rau und gleichzeitig erhaben und, ja, direkt als majestätisch zu bezeichnen, trotzdem aber minimalistisch und nihilistisch. "MOONBLOOD!" höre ich da schon einige schreien - und diese Meute hat da noch nicht einmal sonderlich Unrecht, denn eine gewisse Parallele zu der deutschen Kult-Band aus Sachsen kann hier wirklich gezogen werden. Das setzt sich auch im zweiten Akt fort, welcher das Werk "Lead By Lucifer's Light" umfasst. Hier kommen durch die sehr melodische Gitarre aber noch einige Einflüsse älterer DISSECTION zum tragen, was gerade in "Burning Stars" gesondert hervorgehoben werden muss."Vinternrå" enthält dann anfangs wieder ein paar Synth-Einschläge, welche das Nihilistische und den düsteren Charakter in der Musik nochmals unterstreichen. Was bei dem zweiten Demo auch auffällt, dass Khaerkkan und Erie, die beiden Personen hinter DÖDGALDR die Rollen getauscht haben und der jeweils andere Das dritte und letzte Kapitel enthält dann noch die beiden Stücke "Dark Castle" und "Iron Force", welche beide lediglich Rehearsals darstellen und noch einmal eine Spur rauer und ungeschliffener klingen als die Songs von "Lead By Lucifer's Light". Bei beiden Liedern handelt es sich auch um reine Instrumentals, deren Melodien und Rhythmen weithin bekannt sein dürften.

Fazit:
Mit dieser Zusammenstellung haben DÖDGALDR ein wohliges Stück Underground-Geschichte aus den Untiefen dunkler Grüfte wieder hervorgeholt. Auch dank den Spaniern von AFDTD Records, hat man diese beiden raren Demos nun zum ersten auf einer offiziellen CD vereint und dem ganzen sogar noch ein Paar zusätzliche Lieder hinzugefügt. Schwarzmetall aus dem Untergrund, für den Untergrund. Zu hohe Erwartungen sollte man allerdings nicht haben, da die Schweden absolut nichts Neues bieten, es dafür aber wunderbar verstehen, den alten Geist authentisch in ihre Musik zu bündeln und nach Außen zu tragen. Kommt als CD im Vinyl-Look mit silberner Abspielseite und im Jewelcase mit 4-seitigem Beiheft. Limitiert auf 666 hand-nummerierte Exemplare. Interessenten wenden sich am besten direkt an A Fine Day To Die Records.

Pure Black Metal Underground for Maniacs only - Total Support!


Darbietungen:
01. Intro
02. Thy Kingdom Ruined And Forgotten
03. Lycanthropy
04. Impaler Of The Night
05. Light
06. Burning Stars
07. Vinternrå
08. Dark Castle
09. Iron Force

Laufzeit: ca. 42 Minuten