Freitag, 20. April 2018

Review: Runenwacht - Blutrecht (CD, Northern Fog Records - 2018)

Es ist soweit: endlich halte ich das neue Album der süddeutschen Recken in Händen. Das neue Werk aus der Feder von RUNENWACHT dürfte einmal mehr die selbsternannten Sittenwächter der 'Szene' auf den Plan rufen, und für allerlei Entrüstung sorgen, denn "Blutrecht" steht ganz in der Tradition seiner Vorgänger und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Ob es um Religion, Politik oder die 'Szene' an sich geht... hier bekommt wirklich jeder sein Fett weg. Doch die drei Herren wollen nicht bloß provozieren, sondern regen mit ihren Texten auch durchaus dazu an, sich seine eigenen Gedanken über diese Zustände zu machen.



Doch von Anfang an. Für jene, welche die letzten drei Rezensionen auf diesen Seiten wahrhaftig noch nicht gelesen haben sollten, hier ein noch einmal ein kleiner biographischer Abriss. RUNENWACHT wurde im Jahre 2011 a. B. als ursprüngliches Quartett gegründet, anfangs noch mit dem Individuum Wulfgar als erste Stimme beim Gesang, Rex übernahm Gitarre & Zweitgesang, Øs den Bass und Sturmkaiser nahm Platz hinter dem Schlagwerk. In dieser Formation wurde dann 2013 die erste CD-EP "Schrei des Hasses" in Eigenregie und einer Auflage von 100 Exemplaren veröffentlicht (eine Besprechung lässt sich >>hier<< nachlesen). Damals wirkte noch einiges nicht sonderlich ausgereift und, ich muss sagen, recht stümperhaft. Allerdings war auch durchaus Potential zu erkennen, was vor allem dadurch begründet wurde, dass sich die Horde erfreulich authentisch gab. Dieser Eindruck sollte sich mit dem Nachfolger "Support Your Local Underground aus dem Jahr 2014 bestätigen (die Rezension gibt es >>hier<<). Die auf 200 Stück limitierte CD erschien zunächst ebenfalls in Eigenregie, mit einem Support durch das Underground-Label Wolfmond Production erschien dann aber gut die Hälfte der Auflage unter deren Banner. Jenes Label veröffentlichte dann ein Jahr später auch das Album "Des Goden Werk", welches deutlich mehr Pagan Black Metal enthielt, als noch die Vorgänger (>>hier<< lässt sich die Rezension nachlesen). Die Auflage schrumpfte hier wieder auf lediglich 100 Stück. Es sollte auch das letzte Album mit Wulfgar bleiben. Zwei Jahre später, 2017, erschien dann schließlich unter dem Banner von Northern Fog Records bisher mächtigste Machwerk der wilden Horde mit dem passenden Namen "Machtergreifung", welches u.a. eine Hommage an "Black Metal Germania" enthielt. Das Album erschien nicht nur als normale CD, sondern daneben auch in einer limitierten Holzbox, die auf lediglich 20 Exemplare limitiert war (und der das dazu gehörige Review zu Grunde liegt, welches sich >>hier<< nachlesen lässt). Nun folgt also gerade einmal ein Jahr später "Blutrecht", welches auch den neuen Basser Schlächter vorstellt. Und dieses wurde neben der regulären Ausgabe wieder in einer sehr schicken Holzbox veröffentlicht, die darüber hinaus noch allerlei Kram enthält, und welcher der folgenden Rezension zu Grunde liegen wird.

Was bei oberflächlicher Betrachtung zunächst einmal auffällt, ist die Verarbeitung der Box, die deutlich hochwertiger ausgefallen ist, als beim Vorgänger. So ist das Logo nicht etwa mit einem Sticker aufgeklebt, sondern direkt auf die Box gedruckt (macht mir jetzt nicht den Eindruck, als sei es eingraviert/eingebrannt... ich bitte aber um Korrektur, falls ich hier falsch liegen sollte) mit dem Titel unter dem Logo. Die Box selbst lässt sich am Deckel einfach aufschieben - eine clevere Lösung und auch mal etwas anderes, zu all' den Holzbox-Editionen, die es mittlerweile gibt, die sich alle aufklappen lassen. Im Inneren findet der Anhänger dann die CD, einen Aufnäher und einen Anstecker mit der Algiz-Rune (wer die Holzbox des "Machtergreifung"-Albums besitzt, wird sich erinnern, dass diese Rune hier bereits in anderer Form vorlag). Zudem ist noch ein Poster beigelegt, die Box selbst enthält sonst aber leider nichts mehr. Leider kein blutbeschmiertes Zertifikat oder dergleichen. Eine Limitierung der Box ist nicht sichtbar angegeben, jedoch dürfte die nur unwesentlich höher ausgefallen sein, als noch beim Vorgänger, denn so schnell sie online war, so schnell war sie auch wieder weg. Interessanter Fakt: der Deckel der Box ist an der Unterseite zum aufziehen mit einem Bolzen oder ähnliches etwas eingedrückt, wenn man einen Nagel vorsichtig durchschlägt, hat man ein pass-genaues Loch samt Einkerbung, um den Runen-Anstecker dort zu befestigen. Sieht jedenfalls äußert genial aus und wertet das äußere Erscheinungsbild der Box noch einmal enorm auf. In der CD-Hülle selbst befinden sich gleich zwei Beihefte. Einmal das reguläre 8-seitige, sowie ein dreifach ausklappbares zusätzliches, so dass man in den Genuss der gesamten Lyrik kommt. Nicht, dass RUNENWACHT großartigen Poeten wären... ihre Texte sind eher von der Art "vor den Latz geknallt", "direkt in die Fresse" und "es bedarf keiner großartig geschwollenen Worte, um die Wahrheit zu sprechen".

Nun möchte ich meine Aufmerksamkeit aber endlich der Musik widmen - schließlich sollte das Hauptaugenmerk auch auf dieser liegen. Denn bekanntlich kann auch Scheiße manchmal glänzen. Gleich der erste Beitrag des Albums "Richtschwert" gibt in dieser Hinsicht aber klare Entwarnung: ohne sich mit überschätzten atmosphärischen Einklängen oder dergleichen aufzuhalten, wird dem Hörer gleich geballte Black Metal-Brachialgewalt entgegen geschleudert. Auch wird gleich klar, dass sich die Band zwar etwas entwickelt hat, doch spielen sie unmissverständlich Black Metal der alten Schule. Primitiv, hässlich und misanthropisch. Gnade darf man hier definitiv nicht erwarten. Die Aussage dürfte klar und verständlich sein: "Dein Lügen nun beendet/Die Schicksalswende/Wenn das Schwert sich erhebt/Ein Norn den Faden zu Ende webt//Richtschwert/Das Urteil ist gefällt/Richtschwert/Der Kopf fällt". Das zweite, Titel gebende Lied beginnt dann etwas rhythmisch im Riffing, bewegt sich zuhauf im Midtempo, nimmt im Verlauf aber einiges an Geschwindigkeit zu, enthält gar kurze instrumentale Solo-Passagen. Tempo- und Stimmungswechsel lassen hier auch gar nicht erst Langeweile aufkommen. Textlich gesehen ist das Stück auf mehrere Arten interpretierbar, dient sowohl als Hommage an den Black Metal, als auch an die Verbundenheit zur eigenen Heimat - auf jeden Fall greift man hier aber nach dem Ursprung. "Es ist was ich liebe/Bestimmt meine Triebe/Dieses Wissen ist Macht/Denn dies mir ein Erbrecht schafft". "Seht den Flug des Rabens" (unkorrekte Schreibweise von der CD entnommen, also muss sich keiner aufspielen, haha) ist ebenfalls eine Nummer, die sich im schnelleren Midtempo abspielt, neben der ungezügelten Wildheit und all dem Hass und der Wut aber auch erhabene Momente bietet. In dem Text geht es um Odin's Raben Hugin und Munin, die über das Land fliegen und den Feind im Anmarsch erblicken, vor welchem sie sich folglich zur Wehr setzen. Tja, kommen wir nun zur persönlichen Abrechnung der Horde: mit "Degenerierte Schweine" speien RUNENWACHT nicht bloß einem Feindbild ihren geballten Hass entgegen, sondern rechnen sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht gleich mit allem ab, was sich gegen sie stellt. Christen, selbst ernannte Szene-Wächter, Verräter, Lügner, Vergewaltiger, Geflüchtete, die sich hier kriminalisieren. "Dummheit glänzt in euren Augen/Werde euch das Leben rauben/Gnade gibt es für euch keine/Ihr degenerierten Schweine" oder "Versteckt euch hinter euren Mauern/Ihr habt Angst was auf euch lauert/Wahre Macht kommt aus dem Sein/Und nicht versteckt hinter Stein" sprechen eine deutliche Sprache, und auch wenn dieser Text heiße Eisen anpackt, so ist er doch gerade deshalb wichtig! Weiter geht es mit "Keilerschlacht", jener Song, der bereits im Vorfeld durch die Band online vorgestellt wurde. Ein Lied, welches eindeutige Pagan Black Metal-Anleihen mit räudigem Schwarzmetall verbindet: "Nie endet der Keiler Wut/Nie endet die Kampfesglut/Nie endet der Kampfesmut/Nie verklingt ihr Siegesruf//(...)//Gen Walhall wir reiten/Walküren uns begleiten/Erhören unseren letzten Ruf/Wenn uns trifft der Todesfluch". Eine weitere Abrechnung auf RUNENWACHT-Art findet sich mit dem Song "Was einst war". Dieser Titel ist ja seit BURZUM allseits bekannt, und vielleicht auch in diesem Kontext betrachtet, nicht von ungefähr gewählt. So stellt sich der Text klar gegen die heutige 'Szene', welche in ihrem desolaten Zustand die alten Zeiten betrauert, sich unterwandern lässt und sich von jedem Minusmenschen beeinflussen lässt. Anti-Trend? Anti-Human? Gegen alles? Längst sind die Werte des Black Metal in Vergessenheit geraten und der Kult an sich zur massen-kompatiblen Bespaßungsmechanerie verkommen. Doch daran trägt ein jeder von uns, die wir in diesem Kult leben - ja mit ihm leben und von ihm zehren - selbst die Schuld, und es liegt an jedem einzelnen etwas an diesem Zustand zu ändern - in welcher Form auch immer. "Heute heult ein jeder um die Szene/Doch ihr seid der Schnitt in der Vene/Wegen euch blutet der alte Brauch/Wegen euch wird alles Schall und Rauch//Niemand ist bereit Konsequenzen zu tragen" oder "Ein Angstschrei durchläuft die Presse/Von Links und Rechts kommt Hetze/Was gefordert wird widerstandslos getan/Keiner will die Konsequenzen tragen//Ein dunkler Geist zieht umher/Zerstört jegliche feindliche Gegenwehr/Zensur ist sein neues Schwert/Political Correctness was ihn ehrt//So wird verbannt der alte Geist/welcher auch Meinungsfreiheit heißt/Gebrochen ist der Wille selbst zu denken/(...)" sind nur einige Passagen mit deutlicher und unmissverständlicher Aussagekraft. "Ahnenschwur" sind dann wieder ein heidnischer Beitrag. Instrumental wird hier wilder Black Metal zelebriert, doch bezieht sich der Text an das Heidentum, heidnische Bräuche und den alten Glauben der Germanen. Mit "Schwarzer Stahl" erklingt dann die Kampfansage an alle die, die sich an dem Kult Black Metal vergehen, sei es von außen, wie auch von innen. "Political Correctness - was für ein Scheiß/ Ihr Feministenfotzen werdet so reich//(...)//Unser Kampf gegen Gutmenschen/Wird niemals sein Ende finden!" - der Text schreit es förmlich heraus: der Black Metal gehört euch angepassten kleinen Wichten, die ihr von euch behauptet, eine Ahnung von diesem Kult zu haben, aber eure CDs und Platten lieber im nächsten Doofmarkt kauft, weil ihr von dem, was außerhalb eurer beschränkten Mainstream-Hochglanz-Magazin-Welt geschieht nicht erfassen und erst recht nicht begreifen könnt, nie und nimmer. "Kultstätte" ist eine Ode an die Natur und die germanischen Götter, die Instrumente nehmen hier sogar wieder teils sehr erhabene Züge an, vor allem in den Gitarren hört man sehr viel Epik heraus. Der zweistimmige Gesang im letzten Drittel tut da nur sein übriges hinzu. Mit "Der König von Thule" zelebriert man dann auch schon den letzten Beitrag: "Der König von Thule" basiert auf dem bekannten Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, welches in musikalischer Form von anderen Horden wie etwa HELDENTUM (zu finden auf dem Album "Waffenweihe") umgesetzt wurde. RUNENWACHT zelebrieren es hier als eine Mixtur aus wilder Black Metal-Hymne, samt ausgedehntem Gitarren-Solo und Sauflied... auf einem Konzert kommt das mit Sicherheit nicht schlecht, gibt mir persönlich vom textlichen Kontext aus betrachtet aber nicht allzu viel. "Trinkt ihr Zecher, Hoch die Hörner/Trinkt ihr Zecher, hoch das Bier"...

Fazit:
RUNENWACHT haben sich innerhalb der guten fünf Jahre ihrer Existenz nun schon einen gewissen Namen und Ruf erspielt. Vor allem als Freigeister, die sich einen Dreck um politische Korrektheit scheren und lieber dem alten Geist des Black Metals in ungezwungener Weise frönen und dabei auch ordentlich Kritik an den Verhaltensmustern dieser neuen 'Szene' üben. Auch die heidnischen Einflüsse lässt man auf "Blutrecht" wieder nicht außer Acht, und so erinnert das gesamte Treiben immer wieder an andere deutsche Horden ähnlichen Schlages. Musikalisch sollte man auch hier wieder keine Überflieger erwarten, wenn auch der Letzte ohne Zweifel eingestehen wird, dass die Mannen sich instrumental gesehen noch einmal ordentlich steigern konnten. Northern Fog Records veröffentlichten das Album auf Pro-CDr im Jewelcase und ist limitiert auf 200 Exemplare. Die hier besprochene Holzbox ist bereits restlos ausverkauft, auch über die Band gibt es keine Möglichkeit mehr an das gute Stück heran zu kommen. Zwecks einer Bestellung der normalen CD wendet euch vertrauensvoll am besten direkt an Northern Fog, oder aber an die Band, die das Album für jeweils 10,- Euronnen anbieten.

True German Black Metal - wer musikalische Höhenflüge erwartet, der wird hier vergeblich suchen. Wer allerdings mit der Erwartungshaltung an ein authentisches Schwarzmetall-Machwerk an "Blutrecht" heranwagt, der wird alles andere als enttäuscht!


Darbietungen:
01. Richtschwert
02. Blutrecht
03. Seht den Flug des Rabens
04. Degenerierte Schweine
05. Keilerschlacht
06. Was einst war
07. Ahnenschwur
08. Schwarzer Stahl
09. Kultstätte
10. Der König von Thule

Laufzeit: ca. 45 Minuten



Donnerstag, 19. April 2018

Review: Totensucht - Commando Degeneration (CD, Wolfmond Production - 2018)

Auch schon etwas länger in meinem Besitz wähnt sich das aktuelle Werk des Projektes TOTENSUCHT, namentlich "Commando Degeneration". Das mittlerweile vierte Album des Herren wurde einmal mehr unter dem Banner von Wolfmond Production veröffentlicht, unter dem auch die bisherigen Werke des Ein-Mann-Kommandos erschienen. Ob auch das neue Material der Band mit geltenden Konventionen bricht, zeigt die folgende Besprechung.






Zunächst einmal ein kleiner Abriss des bisherigen Geschehens, für alle, die meine vorherigen Rezensionen zu diesem Projekt noch nicht kennen sollten. Die Idee, TOTENSUCHT zu gründen geht zurück auf das Jahr 2010, als die beiden Individuen Keltor (u.a. SCHATTENREICH) und Amarel dies in die Tat umsetzten. 2011 wurde dann das Debüt-Album "Leitbild" aufgenommen, für dessen Veröffentlichung sich jedoch kein passendes Label fand, bzw. keines wirkliches Interesse bekundete. Eine Sache, die mir absolut unverständlich scheint, wie ich auch in meiner Rezension schrieb (>>hier<< nachzulesen). 2013 wurden dann die Aufnahmen zu dem Nachfolger "Teufelswerk (Compilation of Confusion)" vollendet, doch blieb dieses Werk zunächst ebenfalls unveröffentlicht (die Besprechung könnt ihr >>hier<< nachlesen). Beide Alben erschienen dann schließlich parallel erst im Jahr 2017 - ein Jahr nach der Veröffentlichung des bereits dritten Albums "Black-Demonical-Accursed" (die Besprechung findet ihr >>hier<<). Dies lag sicher auch in der zwischenzeitlichen Auflösung der Band im Jahr 2014, da der Weg Keltor's ihn nach UK führte. Er scheint inzwischen ein Pendler zu sein, denn so wenig Informationen sich über TOTENSUCHT als Projekt im weltweiten Netz finden lassen, so wenige gibt es über ihn als Person zu lesen. Keltor ließ seine Musik jedoch nicht sterben und machte schließlich solo weiter, was in dem bereits weiter oben erwähnten dritten Album gipfelte. Nun präsentiert man zwei Jahre später also den direkten Nachfolger.

"Commando Degenereation" sagt es eigentlich schon im Titel. Auf den Black Metal als toten Kult wird geschissen. Ein Kult, der sich mit all den Jahrzehnten immer weiter von seinem Ursprung entfernt hat und durch all' die (kurzlebigen) Trends und die Verwässerungen, die gerade in der heutigen Zeit immer weiter zunehmen, eigentlich seiner ursprünglichen Kraft, seiner Botschaft, seiner Emotionen und seiner ungezügelten Wildheit - kurz: seiner Existenz beraubt wurde. So kann es einem zumindest erscheinen, wenn man sich durch die Musik- und Medienlandschaften dieser Welt klickt, liest oder sonst was. Gäbe es da nicht auch heute noch eine recht vitale Underground-'Szene', die immer wieder Horden hoher Qualität hervorbringt, die den Geist des Black Metals atmen, ihn verinnerlicht haben und ihn auch in ihrer Musik weiter am Leben erhalten.

Nun gehört TOTENSUCHT mit seinem Treiben wohl eher nicht zu jenen Bands, die sich mit großartig formulierten Hymnen an alte Traditionen aufhalten, sondern einfach kritisch hinterfragen - was sich darin äußert, dass mit bestehenden Regeln und Konventionen gebrochen wird (ein Aspekt, der bereits auf dem Cover von "Leitbild" Verwendung fand, auf welchem alles in sein Gegenteil verkehrt wurde (so reißt das Schaf beispielsweise den Wolf oder der Verurteilte enthauptet seinen Henker). Das kommt nicht nur in den Texten durch, sondern auch in der Musik, die alles andere als konventionellen Schwarzmetall enthält. Die Disharmonie der "Introduction", nebst der epischen Midtempo-Atmosphäre des nachfolgenden Stückes "Am Morgen, wenn die Köpfe rollen" sind da noch relativ harmlos und bietet dem Hörer gewohnte Klänge. Doch das ändert sich bereits mit "May the Fire burn", welches dominierende hymnische Keyboards hinzufügt und nach Mitt-90er klingt. Gezielte Tempowechsel runden die ganze Sache noch zusätzlich ab. Der Gesang zeigt sich auch facettenreich und bietet gar ein paar klare Passagen. "In Honour of Regression" toppt dann zunächst aber alles mit den recht schrillen Gitarren am Anfang, die an einen Mix aus Punk und Blackgaze erinnern. Diese tauchen im weiteren Verlauf immer wieder auf, wechseln sich mit schnellen Post-Black Metal-Passagen ab. Hier präsentiert Keltor neben seinem zornigen Gekeife auch einen hohen schrillen Schrei, der als Tribut an VENOM verstanden werden kann. Doch das ist nichts im Vergleich, was einen auf "Von dem, der das Licht bringt" erwartet: instrumental gesehen eine sehr schöne Nummer - rhythmisch, schnell und erhaben. Doch mit dem schrillen Gesang zur Mitte hin kann ich mal so überhaupt nichts anfangen. Die beiden folgenden Stücke "Temple of Hades" und "Result of mondern Moon Shadows" sind dann aber wieder zwei wirkliche Hymnen, für die ich TOTENSUCHT so enorm schätze. "Von Schwärze verweht" bildet den Abschluss dieses Albums und stellt mit knappen 8 Minuten auch den längsten Song dar. Eingeleitet durch Vogelgezwitscher, geht man in einen erhabenen und atmosphärischen Black Metal über, nimmt im Verlauf einige militante Züge an, dann geht alles in ein Break mit Akustikgitarren und untermalten Kriegs- und Schlachtenlärm über, bis es schließlich in einem instrumentalen Black Metal-Part endet.

Fazit:
Ganz so unkonventionell wie das Debüt-Album ist "Commando Degeneration", welches gerade durch solche Songs wie "What has happened?" bestach, nicht geworden. Aber gut, das habe ich nun nach den beiden anderen Alben auch irgendwie nicht angenommen. TOTENSUCHT hat definitiv seinen Stil gefunden und der erweist sich hauptsächlich als atmosphärisch und erhaben. Provokant und nachdenklich bleibt jedoch die vertonte Lyrik des Protagonisten und auch die Art und Weise der Darbietung eckt hier und da bewusst an. Auch nicht kann mich nicht mit allen Passagen anfreunden, empfinde gerade die hohen Gesangs-Passagen in "Von dem, der das Licht bringt" als kurz vor der Peinlichkeit - respektiere Keltor aber trotzdem für seine Kunst und seinen Mut. Wolfmond Production veröffentlichte das Teil wie schon "Black-Demonical-Accursed" auf Pro-CDr in einem Digipak, welches auf 100 Exemplare limitiert ist. Die Kosten belaufen sich dabei auf 10,- Euronnen. Zwecks einer Bestellung wendet euch also am besten direkt an die bekannte Kontakt-Adresse von Wolfmond.

Konsequente Fortführung des Vorgängers. TOTENSUCHT steht mit seiner Musik weiterhin für den freien Geist und die freie Entfaltung des Individuums, was nicht immer mit bestehenden Konventionen und Vorstellungen konform gehen muss. "Commando Degeneration" wird bei weitem nicht jeden gefallen - will es aber auch gar nicht!


Darbietungen:
01. Introduction
02. Am Morgen, wenn die Köpfe rollen
03. May the Fire burn
04. In Honour of Regression
05. Von dem, der das Licht bringt
06. Temple of Hades
07. Result of modern Moon Shadows
08. Von Schwärze verweht

Laufzeit: ca. 47 Minuten




Mittwoch, 18. April 2018

Vorab-Review: Sial - Destinasi Terakhir (CD, Wolfmond Production - 2018)

Bei SIAL handelt es sich um ein Duo aus Malaysia, welches sich dem atmosphärischen Depressive Black Metal verschworen hat. Gut, jetzt nicht unbedingt mein Steckenpferd, aber bekanntlich gibt es ja auch immer mal wieder Lichtblicke unter diesen ganzen nichtssagenden Durchschnitts-Bands, bei denen das Hören weniger mit emotionalen Abgründen zu tun hat und die Depression höchstens beim lauschen dieser Kakophonien  entsteht. Zu welcher Gattung sich das, inzwischen aufgelöste Projekt zählen darf, lest ihr nun in folgenden Zeilen...




Gegründet hat sich die Band irgendwann im auslaufenden Jahr 2013 gegründet. Ein Jahr später erschien dann die erste Demo "Mati", welche drei Songs enthielt und als CDr in einer Auflage von 15 Stück veröffentlicht wurde. Diesem folgte dann noch eine EP namens "Nyawa", die als CD in DVD-Case unter dem Banner von Winterwolf Records, welches sich ebenfalls bereits aufgelöst hat, unter's Volk gebracht wurde. Darauf folgten im gleichen Jahr noch zwei Splits, sowie zwei weitere Demos (u.a. "Mati II"). Das Wirklich-Alles-Veröffentlicher-Label Cvlminis stemmte dann 2015 die Kompilation "Emosi Depresi" in Pro-CDr-Format und in einer lächerlichen Auflage von 20 Exemplaren. Diese umfasste beide Teile von "Mati", sowie eine der beiden Splits und die "Nyawa" EP. Kurz darauf veröffentlichte dann Wolfmond Production das erste Voll-Album der Band, welches auf den Namen "Lahir, Hidup dan Mati" (in etwa so viel wie "Geburt, Leben und Tod") getauft wurde. Zu der Musik kann ich nichts sagen, da mir bis zu dem aktuellen Werk nichts von den Herren bekannt war. Im Jahr 2016 brachte man dann noch eine Split heraus, wie auch 2017 eine 3er-Split. Schließlich folgten in diesem Jahr noch eine weitere Kompilation und hier vorliegende letzte EP "Destinasi Terakhir", bevor man sich endgültig auflöste und was mich nun auch zur eigentlichen Rezension bringt.

Der Titel könnte dem Anlass nicht passender gewählt sein, bedeutet er ins Deutsche übersetzt doch in etwa so viel wie "Letztes Ziel". "Badi" legt dann auch gleich ordentlich vor, und macht deutlich, dass es sich bei diesem Gespann, um keine inhaltslose Bande von Möchtegern-Emos handelt, die versuchen, irgendwie Black Metal zu zelebrieren, bzw. das, was sie in ihrem schwulen Treiben dafür halten mögen. Die instrumentale Darbietung hat etwas wirklich Melancholisches und gleichzeitig Erhabenes an sich und auch der Gesang passt, das man hier jetzt aber keine Hochglanz-Produktion erwarten sollte, liegt auf der Hand. Ich werde auch das Gefühl nicht los, im letzten Viertel so etwas wie Flötenspiele heraus zu hören. "Emosi Depressi" orientiert sich nach dem anfänglichen Sample und der Dark Ambient-Kollage dann aber doch leider etwas zu sehr an diesem DSBM-Einheitsbrei, was ich nach dem eigentlich guten Einstieg doch sehr schade finde. Da finde ich "Mimpi" ("Traum") wieder um einiges interessanter. Hier wird minimalistischer Black Metal mit Dark Ambient geboten. Der Gesang ist düster gehalten, hat in Zügen gar eine wirklich authentische trauernde Aura inne. Beeindruckend, und umso mehr frage ich mich, was dann dieser peinliche zweite Song sollte. "Rindu" stellt ein ambientes Zwischenspiel dar, welches darüber hinaus noch etwas geflüsterten Gesang, bzw. gequältes Stöhnen beinhaltet. Mit "Sendiri" ("Allein") präsentiert man dann noch ein Stück im Stil des ersten Beitrags, die Musik ist hier gar noch eine Spur wütender, gerade das Schlagzeug legt hier im weiteren Verlauf enorm zu und gleicht am Ende einem emotionalen Ausbruch. Leider kann dies der Gesang nicht so ganz halten. Auf "Ucapan Terakhir" ("Letzte Rede"), dem letzten Beitrag der CD, hört man die erste Minute zunächst einmal ein Sample, ich denke, dass die Aufnahme durchaus als echt betrachtet werden darf. Was folgt ist dann wieder ein getragener und melancholischer Atmospheric Depressive Black Metal.

Fazit:
Nun ja. SIAL bieten mit ihrer letzten EP nun kein wirkliches Highlight des Genres, zumal die Qualität der dargebotenen Lieder auch sehr schwankend ist. Wo die Band einerseits mehr als überzeugt, versagt sie andererseits leider auf ganzer Linie. Insgesamt betrachtet überwiegen aber die positiven Aspekte und dies führt immerhin dazu, dass sich das Ganze nicht vor älteren Sachen von beispielsweise NOCTURNAL DEPRESSION verstecken muss. Es erreicht jedoch auch nicht die Klasse aktueller Vertreter des Depressive Black Metal wie JOYLESS EUPHORIA oder THE DEPRESSICK. Das Album erscheint am heutigen Tag als Pro-CDr im Jewelcase, in einer Auflage von 50 Exemplaren und schlägt mit 5,- Euronnen zu Buche. Bestellungen gehen direkt an Wolfmond Production.

Solider Vertreter des DSBM. Anhänger dieses Subgenres dürfen hier getrost zugreifen, sollten jedoch auch nicht mit der Erwartung an ein Über-Werk an die Sache heran gehen.


Darbietungen:
01. Badi
02. Emosi Depressi
03. Mimpi
04. Rindu
05. Sendiri
06. Ucapan Terakhir

Laufzeit: ca. 23 Minuten




Dienstag, 17. April 2018

Review: Skognatt - Ancient Wisdom (Digitales Album, Eigenproduktion - 2018)

Das Solo-Projekt SKOGNATT aus Augsburg meldet sich auch in diesem Jahr zurück. Doch was ist das? Cover und Titel kommen mir doch irgendwie bekannt vor... und richtig: "Ancient Wisdom" lautetet bereits der Titel der letztjährigen EP, das Cover wurde ebenfalls übernommen, wenn auch noch etwas digital verfeinert und ausgearbeitet. Wie es dazu kam, vermag ich im Detail nun auch nicht zu sagen, aber es macht durchaus Sinn (dazu später mehr).






Für diejenigen, denen das Projekt nun noch rein gar nichts sagt (was mich nicht sonderlich wundern würde, da hier zwar großartige Musik zelebriert, aber kaum nennenswerte Promotion betrieben wird - halt Underground und Selfmade durch und durch...), hier ein kleiner Abriss der bisherigen Bio- und Diskographie. Gegründet wurde SKOGNATT im Jahr 2016 als Ein-Mann-Projekt von Danijel Zambo, der sich zum Ziel setzte, atmosphärische, aber ursprüngliche Black Metal-Musik zu schaffen. Noch im gleichen Jahr erschien dann die erste Demo "Landscape of Ice" als digitale Version, sowie als limitierte CDr. Diese erste Demo bot bereits sehr ausgereift klingenden Black Metal mit düsteren und kalten Atmosphären, der ein wenig an die Glanzzeiten von VINTERRIKET, aber auch an die glorreichen Mid-90ies Skandinaviens erinnerte (eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen). Ende des Jahres folgte dann die fünf Lieder umfassende EP "Stargazer", die ebenfalls in digitaler Form veröffentlicht wurde. "Stargazer" orientierte sich eher am reinen Dark Ambient und ließ Black Metal-Stimmungen nur vereinzelt aufkommen. Im März 2017 brachte man dann die digitale Single "Eternal Frost" heraus, auf die eine Kassette folgte. Jenes Tape trug den Titel "Landscape of Ice", erschien in einer Auflage von gerade einmal 50 Stück und enthielt sowohl die beiden Lieder der ersten Demo, das neueste Lied "Eternal Frost" sowie auf der B-Seite die "Stargazer" EP. Später im Jahr folgte dann die "Ancient Wisdom" EP, welche zwei Lieder beinhaltete und welche ich auch nicht ganz ohne Grund in meinem Rückblick für 2017 erwähnte (die Besprechung könnt ihr euch >>hier<< durchlesen).

Nun kam es mir schon nach dem Genuss dieser beiden Lieder so vor, als wenn mit ihnen längst nicht alles gesagt worden wäre. Und indirekt zeigt es ja das nun hier vorliegende erste Voll-Album, welches sowohl das gleiche Cover, wie auch den selben Titel trägt und auf besagten zwei Liedern fußt. Denn das Album beginnt mit eben diesen. Ich erspare mir daher auch eine nähere Betrachtung dieser ersten beiden Lieder, da die Review zur EP ja noch nicht sonderlich lange zurückliegt und das Geschehen eigentlich recht gut wiedergibt. So kann man "Ancient Wisdom" getrost als Fortführung der letztjährigen EP ansehen. "World Apart" setzt nämlich genau dort an, wo der Titel gebende Song und "Xibalbá" endeten. Hier herrscht allerdings weniger eine rituelle, als eher eine hoch melancholische Atmosphäre und Grundstimmung vor. Das zeigt sich schon allein in der Darbietung der Gitarren. Einerseits hat man hier trist anmutende akustische Klänge, welche in Verbindung mit der etwas schwermütig anmutenden Black Metal-Gitarre, die mich in ihrer Darbietung und Spielweise persönlich an langsame Passagen aus NARGAROTH's Erstling "Herbstleyd" erinnert ("Amarok - Zorn des Lammes", any one?) und den epischen, fast heroischen Keyboards einen sehr märchenhaften und traumwandlerischen Touch bekommen. Ein herzzerreißendes Stück schwarzer Tonkunst, welches mit seinen rund fünf Minuten meiner Meinung nach noch viel zu kurz ausgefallen ist. Weiter geht es mit "Thanatos". Bezog man sich in "Xibalbá" noch auf die Maya und entführte den Hörer auf eine Reise in die neun Stufen umfassende Unterwelt dieser ausgestorbenen Kultur, so widmet man sich hier dem griechischen Todesgott. Entsprechend geht es hier wieder etwas düsterer zu, nimmt aber nicht solch' rituelle Züge an, wie man sie bei "Xibalbá" findet. Es wird hier eher andächtig dem Tode und dem Jenseits gehuldigt, und ich kann mir vorstellen, dass der Text doch einiges über die Gefühls- und Glaubenswelt des Protagonisten aussagt. Mit "Dark Star" betritt man wieder etwas schnellere Gefilde, bewegt sich jedoch weiter im Midtempo. Hier erhält die Musik sogar eine gewisse Space-Ambient/-Black Metal-Nuance, enthält jedoch auch schamanisch-rituelle wie auch typisch nordisch klingende Passagen. Letztgenannten kommen dann endgültig noch einmal so richtig im letzten Beitrag "Fallen & Outro" zum tragen, welchen man ohne weiteres und schlechtes Gewissen als Hommage an die goldenen Mitt-90er bezeichnen kann. Beim Hören kommen einem Horden wie GEHENNA, alte DIMMU BORGIR bis hin zu BORKNAGAR und ENSLAVED in den Sinn. Der kurze Ausklang ist instrumental gehalten und lässt das Album schließlich genau so enden, wie es begonnen hat. Sphärisch, erhaben und doch besinnlich.

Fazit:
Gerade an atmosphärischen Black Metal-Landschaften scheitern so viele Bands, gerade aus dem Underground. Weil ihnen die Möglichkeiten fehlen, ist mit Sicherheit ein Grund, aber längst nicht der einzige. Viele verstehen es auch einfach nicht, dass man auch mit dem Einsatz weniger Mittel großartige Musik zelebrieren kann und dass manches Mal einfach weniger mehr ist. So übertreiben die meisten auch maßlos beim Gebrauch ihrer Tasten und lassen die Umschreibung 'Atmospheric Black Metal' zu einer tuntigen Lachnummer verkommen, die allenfalls noch Gothic Metal-Ansprüchen genügt (ohne das Genre jetzt schlecht machen zu wollen... wobei, wenn ich mir beschaue, was sich heutzutage so alles Gothic Metal nennen darf... doch). Wie man es richtig macht, zeigt einmal mehr SKOGNATT. Was man hier als Ein-Mann-Projekt regelrecht zaubert, ist beachtlich und muss sich keinesfalls hinter den Größen der 'Szene' verstecken. Natürlich immer vorausgesetzt, dass man etwas für Black Metal mit hymnischen Keyboards und Dark Ambient übrig hat und empfänglich für derlei Musik ist. Für mich zeigt gerade das Schaffen solch' einer Band wie SKOGNATT einmal mehr auf, dass das Genre noch längst nicht so ausgelutscht und tot-romantisiert wurde, wie viele immer behaupten. Neben der digitalen Fassung, welche mit ein paar wenigen Euronnen zu Buche schlägt, gibt es auch die Möglichkeit, sich eine auf 50 Stück limitierte Pro-CDr im Digifile (aufklappbarer Digi-Schuber) für 10,- Euronnen anzueignen. Beides ist über die Bandcamp-Präsenz des Projektes erhältlich.

Atmosphärischer Black Metal zwischen heroischer Erhabenheit, meditativer Spiritualität, grimmiger Rituale und andächtiger Stimmung. "Ancient Wisdom" ist ein Album mit vielen Gesichtern und gleichzeitig eine sinnige und machtvolle Fortführung der gleichnamigen EP geworden - und genau das alles macht es zu einem besonderen Machwerk, welches man sich als Anhänger atmosphärischer Musik nicht entgehen lassen sollte!


Darbietungen:
01. Ancient Wisdom
02. Xibalbá
03. World Apart
04. Thanatos
05. Dark Star
06. Fallen & Outro

Laufzeit: ca. 31 Minuten