Samstag, 25. Februar 2017

Review: Norman Shores - Norske herra (CD, Ossuaire Records - 2016)

Es wird wieder einmal majestätisch... das französische Projekt NORMAN SHORES veröffentlichte im letzten Jahr ganz klammheimlich das bereits dritte Voll-Album mit Namen "Norske herra" (soviel wie etwa "nordische Herre"), und zeigt sich einmal mehr sehr episch.









Der Nachfolger zu den Werken "Return to the Norman Shores" aus dem Jahr 2012 und "Le Tombeau du Brume" (2015) steht einmal mehr im Zeichen des True Norman Black Metal, wie der Kopf hinter dem Ein-Mann-Phänomen Fog seine Musik selbst tituliert. Dabei beginnt "Norske herra" eher leicht ungewohnt mit einer eher depressiven Note, geht aber alsbald in den gewohnt erhabenen und epischen Stil über, den man seit den Anfangstagen von dieser Band gewohnt ist. So lässt sich dieses Werk auch ohne weiteres mit, im Underground mittlerweile sicherlich bekannteren Horden wie etwa CAVERNE vergleichen, welche ja ebenfalls ein Solo-Projekt aus Frankreich ist und mit dem Debüt "Aux Frontières du Monde" anno 2015 ein zeitloses Meisterwerk geschaffen hatte, wenn das Projekt als solches auch politisch zumindest fragwürdig anmutet. Wie sich das bei dem Projekt aus der Normandie verhält, vermag ich nicht zu sagen, da mir keine Interviews oder sonstige auffälligen Aussagen bekannt sind. Die Texte jedenfalls sind geprägt von lokal-historischen Ereignissen und natürlich auch Patriotismus, was aber nix heißen muss und ja auch durchaus legitim ist bei solch einer schönen Landschaft wie der Normandie. Musikalisch betrachtet bietet man wie erwähnt zwar nichts gänzlich Neues, aber wer seinen Black Metal episch und mit viel Erhabenheit im Stile der genannten CAVERNE oder FALKENBACH mag, der ist hier genau richtig.

Fazit:
Epischer Schwarzmetall, der nichts an Härte einbüßt, in wohliger Melancholie schwelgt und voller Sehnsucht und Nostalgie steckt. Eines der wenigen Werke der heutigen Zeit, die einem vor Augen führen, dass der französische Black Metal alles andere als tot ist. Die CD kommt im Jewelcase und ist auf 500 Exemplare limitiert. Interessenten aus Deutschland wenden sich am besten vertrauensvoll an Sol Records, welche die CD noch im Distro führen müssten.

Ein weiteres Meisterwerk aus Frankreich. Pflichtprogramm!


Darbietungen:
01. Noirceur ultime
02. Les flamboyants
03. Le ver idolatre
04. Le source
05. Morfond
06. Reidi Ulv
07. Norske herra

Laufzeit: ca. 57 Minuten

Donnerstag, 16. Februar 2017

Preview: Gorthaur - Om Cmapцeв (Digitales Album, Eigenproduktion - 2015)

Durch die Rezension zur Split mit CZARNOBOG und diesbezüglichen Recherchen im Netz stieß ich auf diese Pre-Version des hoffentlich bald erscheinenden zweiten Albums der Hessen GORTHAUR. Es handelt sich hier also um keine fertige Fassung des Albums, wobei sich das meiste schon recht gut hören lassen kann.




Zunächst einmal ein paar Fakten zu dem Projekt, welches aktuell aus drei Leuten zu bestehen scheint. Gegründet wurde GORTHAUR im Jahr 2003 und war als Duo unterwegs. Unter dieser Besetzung nahm man im Laufe der Jahre (bis 2014) zwei Demos sowie eine Split mit URUK-HAI aus Österreich auf. 2015 folgte dann die Split-CD "Summoning the Hessian Darkness", welche ebenfalls das Stück "Nameless City" und damit erstmals auch weiblichen Gesang enthielt. Eben jenes Lied leitet auch dieses Werk ein, wurde hier aber noch einmal soundtechnisch überarbeitet wie mir scheint. Die Texte befassen sich hier hauptsächlich mit Dark Fantasy und Horror-Thematik, insbesondere die Literatur von H. P. Lovecraft dürfte die Band inspiriert haben (was man ja auch schon irgendwie an ihrem Logo-Design für "Om Cmapцeв"). So ist es hier auch passender Weise kein reiner Black Metal, der hier erschallt, sondern ein sehr Melodie-betonter Symphonic Dark Metal, der gleichwohl traditionelle Black Metal-Passagen bietet ("Chtulhu Rising"), dann aber auch sehr rockige Züge annimmt ("The Horror") und sogar einen leichten Anflug von Gothic nicht verbergen kann. Theatralische Ausmaße wie CRADLE OF FILTH nimmt die Band aber glücklicher Weise nicht an und kommen in ihrem Stil mit all seiner Spielfreude und der Liebe für's Detail äußerst sympathisch und authentisch rüber. Darüber hinaus lockt die Band auch mit allerlei atmosphärischen und episch zu bezeichnenden Metal-Passagen ("A Farewell", "Lost in the Remants of a Tragic Past" - welcher in einer kurzen und langen Fassung enthalten ist).

Fazit:
Diese Pre-Version macht definitiv Lust und Laune auf auf das hoffentlich baldig erscheinende fertige Album. Wenn dieses dann in seiner Gesamtheit so stark wird, wie diese Vorschau hoffen lässt, steht uns das wohl interessanteste Symphonic Dark Metal-Album aus Deutschland der letzten Jahre bevor. Die Pre-Version steht auf der offiziellen Bandcamp-Seite der Horde zum freien Download bereit.

Lässt definitiv auf ein großartiges fertiges Werk hoffen! Ich bin gespannt...


Darbietungen:
01. The Nameless City
02. Горы́ безу́мия
03. The Horror
04. Chtulhu Rising
05. Lost in the Remants of a Tragic Past (The End)
06. Lost in the Remants of a Tragic Past (long Version)
07. II. A Farewell

Laufzeit: ca. 42 Minuten

Review: Sale Freux - Vindilis (CD, Les Créations Clandestines - 2017)

Der Ausnahme-Musiker Dunkel präsentiert uns mit "Vindilis" das neueste Werk aus der Feder seines alleinigen Projektes SALE FREUX. Der Franzose weicht dabei keinen Deut von seinem bisherigen und eigenwilligen Stil ab. Einmal mehr zelebriert er Klangwelten, die nur in völliger Isolation entstanden sein können und von einer inneren Distanziertheit und einer tiefen Sehnsucht sondergleichen zeugen.







Das heißt im Klartext: es wird wieder äußerst melancholisch. Das Grundgerüst stellt dabei ein kalter Black Metal dar, der mal langsam, dann aber auch mal schnell vorgetragen wird und dabei schon leicht chaotisch wirkt - ein Effekt, der aber durchaus gewollt zu sein scheint, da er sich durch alle bisherigen Veröffentlichungen zieht wie ein roter Faden. Das meiste spielt sich dann aber doch im hymnischen, wenn auch äußerst disharmonischen Midtempo ab. Der Gesang von Herrn Dunkel ist hier einmal mehr das wirklich Markante: hört man seine Stimme, weiß man sofort, dass es sich hier um SALE FREUX handelt. Der Gesang ist zumeist krächzend vorgetragen, was dem Namen der Band mal wieder alle Ehre macht. Hervorstechend ist auch die Tatsache, dass jeder der fünf Lieder, bei denen es sich in einem Fall um eine Gedichte-Rezitation handelt, exakt die selbe Spieldauer von 11 Minuten und 11 Sekunden aufweist.

Fazit:
SALE FREUX versteht es mit seinem neuen Werk erneut zu faszinieren. Der Stil zu den Vorgängern ist zwar ähnlich, doch unterscheiden sich die Veröffentlichungen doch im Detail immer wieder von einander, so dass es einem als Anhänger des Projekts nie wirklich langweilig wird. Die CD im Jewelcase kommt mit einem umfangreichen 24 Seiten dicken Beiheft und kann im Online-Shop von France d'Oil Productions bestellt werden.

Harsh & Melancholic French Black Metal. Support it or kill yourself!


Darbietungen:
01. Vindilis (le chant du Ponant)
02. A flanc de cormorans
03. Thrène
04. Le rêve armoricain
05. J'ai foutu Sale Freux en l'air

Laufzeit: ca. 55 Minuten

Review: Runenwacht - Machtergreifung (CD, Northern Fog Records - 2017)

Die deutsche Horde RUNENWACHT meldet sich im Jahr 2017 auch endlich zurück mit ihrem brandneuen dritten Album "Machtergreifung". Hier ist der Titel definitiv Programm, denn es handelt sich hier um nicht mehr als das bisher mächtigste Werk der deutschen Recken, welches in verschiedenen Varianten unter dem Banner der Schmiede Northern Fog Records aus Thüringen. Zu den verschiedenen Veröffentlichungsformen später mehr...






Zur Aufmachung:
Dieser Rezension liegt die auf lediglich 20 Stück limitierte Holzbox-Edition des Albums zu Grunde. Neben der CD und dem 12-seitigen Beiheft, welches neben Illustrationen der Band-Mitglieder und diversen anderen, die meist sogar zu den Texten passend gewählt sind, auch alles Texte des Albums. Des weiteren eine doppelseitige Einlegekarte mit der Titelliste und einem Bandfoto auf der Rückseite, einen Sticker, einen Anstecker, einen Aufnäher mit Algiz-Rune und ein ausfaltbares Zertifikat mit der Limitierungs-Nummer sowie mit einem Wachssiegel, und anderen Flecken (Blut?), angeflemmt scheint es auch zu sein. Die Box selbst hat in etwas die Größe einer kleinen Zigarren-Kiste und ist an der Oberseite mit dem Emblem der Horde sowie dem Zeichen (erinnert an ein umgedrehtes Kreuz in Verbindung verschiedener heidnischer Symbole), welches sich wiederkehrend im Album finden lässt verziert, bzw. beklebt.

Zur Musik:
Auch für "Machtergreifung" gilt: es ist primitiv, provokant und rotzig ohne Ende. Musik, die der Gesellschaft und der modernen Welt, inklusiver der neu-modischen Black Metal-Gemeinde voll Verachtung ins Antlitz kotzt. Dabei stellt sich das Album auch als recht erhaben heraus, der zu verspürende leichte Pagan Metal-Einschlag des Vorgängers "Des Goden Werk" ist hier noch einmal mehr präsent - aber vom Grundgerüst ist RUNENWACHT hier wieder ein sehr traditionelles Album deutschen Schwarzmetalls gelungen. Das wird auch gleich zu Beginn der CD klar, wenn der Titelsong erklingt: sägende Gitarren, hämmerndes Schlagzeug, unheilvolle Rhythmen und unschöne Melodien. Die Musik orientiert sich wie schon erwähnt an der traditionellen deutschen Schule. ABSURD kann man ebenso als Inspirationsquelle heraushören, wie auch NARGAROTH oder SILBERBACH. Doch nicht nur musikalisch haben genannte Kombos wohl Pate gestanden, auch so mancher Text (die im übrigen alle in abgedruckter Form im umfangreichen Beiheft zu finden sind) scheint von der meist morbiden Lyrik der genannten inspiriert - ich nenne hier als Beispiel einmal "Nachts als ich von ihr träumte", beim lesen dürfte schnell klar werden, auf welchen Text ich von welcher Gruppe anspielen möchte. Aber neben dem genannten, eher rhythmischen Midtempo-Song, der sich sehr hymnenhaft und okkult präsentiert, gibt es auch wahre Metzeleien wie bei dem folgenden "Dem Tod entgegen". Einen besonderen Stellenwert nimmt dann noch "Was zählt" ein, dessen Text genau meine Gefühle und Gedanken zum Thema 'Black Metal in der heutigen Zeit' widerspiegelt. Dafür gebührt den Mannen eindeutig Respekt, denn nicht jeder hätte sich getraut, so klare Worte zu finden (Aber ist der Ruf erst einmal ruiniert, wa, hehe - Anm.). Die absolute Hymne bildet dann das letzte Lied "Black Metal Germania" - ein wahrer Mitgröller und eine Lobpreisung an den (heidnisch geprägten) Black Metal, ähnlich der völlig unterschätzten Hymne "Of Darkness and Blood We are born" aus der Feder von INQUISITION.

Fazit:
Die RUNENWACHT Horde zelebriert mit "Machtergreifung" ihr bis dato mächtigstes Album. Es geht nicht mehr so rau zu wie noch bei "Support Your Local Underground", sondern mehr in dem erhabenen heidnisch geprägten Schwarzmetall Stil von "Des Goden Werk", was nun aber wirklich nicht negativ ausgelegt werden soll. Und so manche Texte haben eine Aussage inne, die in dieser Form schon längst einmal überfällig war - traurig, dass sich daran nicht viel mehr Bands trauen. Aber heutzutage möchte man ja (auch als Black Metal-Kombo) alles andere als irgendwo anecken - zu groß ist die Gefahr, diffamiert und gleich als Ewig-Gestriger abgestempelt zu werden. Die CD kommt normal in Jewelcase, wahlweise mit oder ohne Anstecker. Die Holzbox ist ausverkauft (zumindest beim Label). Limitiert ist das Album im Ganzen auf 200 Exemplare. Eure Bestellungen könnt ihr an Northern Fog Records oder auch direkt an die Horde entrichten.

Fuck off your morals. Fuck off your politics. This is real Black Metal! Meine Empfehlung: auf jeden Fall unterstützen und kaufen!


Darbietungen:
01. Machtergreifung
02. Meister Urian
03. Gewaltiger Gott
04. Anrufung
05. Nachts als ich von ihr träumte
06. Dem Tod entgegen
07. Was zählt
08. Runenkunst
09. Aufs Rad mit ihm
10. Black Metal Germania

Laufzeit: ca. 46 Minuten