Freitag, 17. November 2017

Review: Dirty Grave - Evil Desire (GrimmDistribution / Todestrieb Records - 2017)

Traditionellen Heavy Doom zelebrieren die beiden Mannen von DIRTY GRAVE aus Brasilien. Deren erstes Album, welches auf den Namen "Evil Desire" getauft und ursprünglich bereits in digitaler Form Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, ist im letzten Monat durch den Underground-Vertrieb GrimmDistribution (Partner von Satanath Records) aus Belarus in Kooperation mit Todestrieb Records aus UK auf CD veröffentlicht worden. Am Schlagwerk nahm Arthur Assis Platz, scheint aber kein festes Mitglied der Band zu sein - jedenfalls gibt es kein Promo-Foto mit ihm.




DIRTY GRAVE gründeten sich bereits im Jahr 2013, veröffentlichten zeitnah eine erste selbst-betitelte EP, die es bisher jedoch nur in einer digitalen Version gibt. Im nächsten Jahr brachte man dann die Single "Vol. II" heraus. Nun folgt mit "Evil Desire" der erste Langspieler. Das Album präsentiert sich dabei von Anfang an ohne große Schnörkel, sondern kommt direkt zur Sache. Traditioneller, von dichten Rauchschwaden durchzogener, von paranoiden Träumen und drogengeschwängertem Rausch heimgesuchter Heavy / Doom Metal, der seine Einflüsse eindeutig in der Musik von Bands wie SAINT VITUS, den älteren ELECTRIC WIZARD oder BLACK SABBATH hat. Langsam und schleppend, mal etwas wilder, düster und mystisch, manches Mal sehr okkult und auch satanisch. Aber auch persönlich ("Remorse"). Vereinzelt tauchen auch ein paar chorale Gesänge auf, wie bei "Evil Desire" oder auch ein leichter Hauch düsterer Ambient ("Beyond the Door"), genauso wie eingestreute Solo-Passagen, die das allgemeine Geschehen etwas auflockern und auch interessant halten. Der Gesang ist ebenfalls sehr traditionell gehalten und gibt in Passagen gar verschiedene Facetten wider. Eins der Highlights des Albums ist dabei auf jeden Fall das Cover der Blues-Legende WILLIE DIXON, der zu Lebzeiten viele bedeutende Lieder des Genres verfasste und auch selbst mit diversen Künstlern interpretierte. DIRTY GRAVE haben aus dem Song eine einzige Hommage gemacht, denn auch wenn hier deutlich der Doom Rock dominiert, lässt man doch die Wurzeln des Blues erkennen.

Fazit:
Ein Album, welches keiner langen Worte bedarf. "Evil Desire" ist authentischer Old School Heavy Doom Metal, den man entweder mag oder es bleiben lässt. Die puristische Produktion tut ihr übriges dazu, dass das Werk für Genre-Einsteiger auch nicht gerade leicht zu verdauen sein wird, Anhänger der bereits oben genannten Bands werden sich hier aber auf Anhieb heimisch fühlen. Ein Werk zwischen schleppender Melancholie und düsterem Satanskult, welches sich ganz dem alten Weg verschrieben hat und sich auch gezielt an dessen Anhängerschaft richtet. Interessenten aus Deutschland wird hier wohl nicht viel mehr bleiben, als sich direkt an GrimmDistribution oder an Todestrieb Records zu wenden, welche die CD auch gerade im Angebot haben. Das Album selbst kommt im Jewelcase und ist auf 500 Exemplare limitiert. Indes ist mir bisher kein heimischer Mailorder aufgefallen, der die CD führt. Wer exotische Editionen in seiner Sammlung schätzt, kann jedoch auch sein Glück versuchen, um an eine Auflage aus dem Hause Doom Stew Records zu kommen, welche das Album als limitierte CD im Digipak und als Kassette für den amerikanischen Raum veröffentlichten.

Traditonal and Devil Worshipping Heavy Doom Metal. Richtet sich klar an die Puristen und Anhänger des alten Kultes!


Darbietungen:
01. Satan's Wings
02. Until The Day I Die
03. Evil Desire
04. Evil (Is Going On) (WILLIE DIXON Cover)
05. Beyond The Door
06. Remorse
07. You Dead
08. The Black Cloud Comes

Laufzeit: ca. 41 Minuten



Montag, 13. November 2017

Review: Joyless Euphoria - Joyless Euphoria (CD, Anthrazit Records - 2017)

Aus unserem Nachbarland Österreich stammt das Duo JOYLESS EUPHORIA. Die zwei Herren veröffentlichten vor einer Weile ihr erstes unbetiteltes Voll-Album, welches bei dem jungen deutschen Label Anthrazit ein zu Hause fand. Beim Blick auf den Namen, das Logo und das Cover wird man evtl. schon erraten können, was einen hier erwartet. Doch Obacht: wer hier vorschnell urteilt und glaubt, dass es sich hier lediglich um einen weiteren nichtssagenden Vertreter des 0815-DSBM handelt, der irrt gewaltig...




In textlicher Hinsicht nimmt sich das Werk einem durchaus interessanten und intimen Thema an, und tritt schon allein deshalb aus der Masse hervor. Die fünf Lieder widmen sich dem Verlust eines geliebten Menschen durch Selbsttötung. In diesem Fall handelt es sich um eine Tochter, das Album dient dem Vater dazu seine Gedanken nach außen zu tragen und seiner Trauer um den Verlust Ausdruck zu verleihen und zu verarbeiten. Dabei lassen sich die einzelnen Lieder in Kapitel einteilen (ein Interpretationsversuch): "Night Terrors" behandelt die Tat des Kindes, in "Pallbearer" beschreitet der Vater wohl den schwersten Gang seines Lebens, in "Blissful Oblivion" versucht er zu vergessen und flüchtet dabei vor dem Leben, was in "The Valley" gipfelt. Ich nehme stark an, dass es sich hierbei um den langen Weg aus dem Tal der Einsamkeit handelt. In "My Reveries" schließlich hat er den Tod des eigenen Kindes angenommen, weiß aber auch, dass das Leben niemals wieder so sein wird, wie vorher. Das erinnert mich von der emotionalen Kraft und Dichte des Konzepts her an das hoffentlich bald erscheinende nächste Werk aus der Feder von MÉLANCHOLIE SUICIDAIRE, welches sich der Thematik der Sternenkinder annehmen wird. Aber hier geht es schließlich um JOYLESS EUPHORIA. Musikalisch betrachtet bietet man hier einen gelungenen Mix aus melancholischem Post Rock, emotionalem Black Metal, etwas Dark Ambient und Sample-Collagen. Wenn man die Thematik bedenkt machen die Samples im Kontext mit dem Cover sogar ziemlich Sinn und der Hörer mag erahnen, welchen Pfad des Suizids das Mädchen gewählt hat... der Gesang klingt ebenso herausstechend: zum einen bietet er in den Black Metal-Passagen ein authentisches Maß an Wut und gleichzeitiger Verzweiflung, zum anderen lassen sich in vereinzelten Songs wie "Blissful Oblivion" emotionsgeladende Passagen mit Klargesang finden, die von einer tiefen Sehnsucht zeugen und das Gefühl 'vermissen' förmlich spürbar machen. Instrumental gesehen bewegt man sich zuhauf im schnelleren Midtempo, legt aber auch schon einmal regelrechte Gefühlsausbrüche hin, in denen der Frust einfach nur herausgekotzt zu werden scheint, um im nächsten Moment den Hörer durch ein gekonntes Break wieder auf den Boden zu holen. Dabei finden Chöre ebenso ihren Einsatz (etwa "Pallbearer") wie auch herzzerreißende Gitarrensoli (das bereits erwähnte Stück "Blissful Oblivion"). Einige Blackgaze-Momente sind ebenfalls zu verbuchen, wer also auf die Sachen von AMESOEURS, GRAUZEIT und ähnlichen Kombos steht, der wird sich hier nicht nur heimisch fühlen, sondern das Album, wenn einmal gehört, nicht mehr so schnell wieder aus der Anlage hervor holen...

Fazit:
JOYLESS EUPHORIA liefern mit ihrem Debüt-Album mal wirklich ein Werk ab, bei dem es leider wirklich schade ist, dass mir hier keine Texte zu vorlagen. Gerne wäre ich näher auf die Thematik eingegangen. Doch manchmal ist vielleicht weniger eben mehr und so kann sich ein jeder ein eigenes Bild von der emotionalen Kraft machen, die dieses Album versprüht. Auch regt es dazu an, sich mit ihm zu beschäftigen. Wie würde man als Vater auf den (gewollten) Tod seines Kindes reagieren? Wie würde man damit umgehen? JOYLESS EUPHORIA haben hier etwas geschaffen, was sich nicht nur in musikalischer, sondern auch in konzeptioneller Hinsicht weitab vom Durchschnitt bewegt. Großartig, und in meinen Augen definitiv eines der besten Depressive Black Metal-Alben des Jahres! Die CD im Jewelcase gibt es im Mailorder von Anthrazit Records für schlappe 9,- Euronnen und ist jeden Cent wert.

Höchst emotionales Machwerk. Authentisch, manisch und schmerzerfüllt - fernab der Lächerlichkeit von Durchschnitts-DSBM!


Darbietungen:
01. Night Terrors
02. Pallbearer
03. Blissful Oblivion
04. The Valley
05. My Reveries




Review: Ramihrdus - Eternity (CD, Anthrazit Records - 2017)

Aus dem Hause der noch jungen deutschen Tonschmiede Anthrazit Records erschien vor einiger Zeit das Debüt-Album der Ein-Mann-Kapelle RAMIHRDUS aus Amiland. Ramihrdus war ein Kirchenanhänger, der um die Jahre 1076/77 der Ketzerei bezichtigt und in der Gegend von Lambres verbrannt wurde. Ob sich das Projekt allerdings auch auf diese historisch belegte Figur bezieht, vermag ich nicht zu sagen.







Dieses erste Voll-Album stellt gleichzeitig auch das Debüt-Werk von RAMIHRDUS dar. Und es ist wahrlich nicht schlecht, was hier von Allein-Unterhalter Bryce Witt dargeboten wird. Nach einem kurzen Einklang, welcher dem Dark Ambient und auch dem Dungeon Synth zuzurechnen ist, erklingt atmosphärischer und episch erhabener Black Metal, der jedoch auch eine räudige und kalte Seite an sich hat. So weit, so gut, nichts wirklich Neues. "The Ethereal Forest" lässt mich dann zwar schon einmal aufhorchen, jedoch auch nicht so wirklich hinter dem Ofen hervorzulocken. Das liegt auch gar nicht an der Zelebrierung, die klingt in der Tat sehr authentisch, machtvoll und verträumt bis kämpferisch. Es liegt viel eher daran, dass man das dann doch schon alles irgendwie schon einmal gehört hat. Auch "Lake Evendim" mit seinen melancholischen Tastenklängen mutet zunächst so an, als könne er diesen ersten Eindruck nicht revidieren. Und dann auf einmal... ist es um mich geschehen. "Eternity" hat mich in seinen Bann gezogen. Ich schließe die Augen und sehe meinen Geist wandern durch düstere nebelverhangene Wälder und karge Landschaften. Der gediegene Midtempo entfaltet hier seine volle Stärke und lässt die Gedanken gleiten, das kurze Break zur Mitte hin inklusive Ambient-Intermezzo tut sein übriges zur Atmosphäre dazu. Klar, das macht die Angelegenheit jetzt keinen deut innovativer, aber wer hier wirklich noch Innovation von RAMIHRDUS erwartet, hat das Album wohl nicht verstanden, viel mehr macht auch das klassisch mittelalterlich Zwischenspiel "The Parcing Pony" deutlich, dass man hier einer Band lauscht, die es gekonnt versteht, Altbewährtes neu zu interpretieren. Den Höhepunkt findet das Werk dann in Form von "The Crypts of the Frost Storm", wo sich räudige Grimmigkeit mit melancholischer Nostalgie und hymnenhafter Atmosphäre paart. Nicht nur dieses Lied macht deutlich, dass die musikalischen Einflüsse des Protagonisten irgendwo zwischen alten SUMMONING, PAZUZU, alten MORTIIS und XASTHUR liegen müssen. Das Titel gebende Stück beginnt mit ambienten Klängen, steigert sich dann allmählich in einen Midtempo Black Metal mit doomigen Gitarren, bevor nach einem kurzen Break der Schwarzmetall die Szenerie dominiert und für sich einnimmt. Auch hier findet sich das hymnische Keyboard wieder, welches keinesfalls deplatziert, zu aufgesetzt oder dominant wirkt. Mit dem letzten Titel huldigt man noch einmal vornehmlich dem klassischen Dungeon Synth, aber auch dem winterlichen Dark Ambient.

Fazit:
RAMIHRDUS' erstes Album "Eternity" kann sich sehen und hören lassen. Nicht nur, dass es ein beachtliches Debüt-Werk darstellt, sondern es ist auch von einer derart intensiven und in sich stimmigen Atmosphäre durchzogen, wie man sie nur selten antrifft. Klar, einen Innovationspreis wird der gute Herr hiermit sicherlich nicht einfahren, doch dies scheint auch gar nicht die Intention hinter "Eternity" zu sein. Ich für meinen Teil bin dankbar über jedes neue Album, welches mich derart gefangen zu nehmen vermag, wie es sonst nur die vornehmlich älteren und längst vergangenen Werke all jener Bands tun, die heutzutage einfach nur noch Stumpfsinn am laufenden Band produzieren. "Eternity" ist ehrlich in seiner Darbietung und auf eine primitive Weise stolz und erhaben in seiner Machart. Zwecks einer Bestellung wendet euch direkt an Anthrazit Records, welche die CD im Jewelcase für 9,- Euronnen anbieten. Alternativ habt ihr die Möglichkeit, euch die CD auf der Bandcamp-Präsenz anzuhören und kostenlos herunterzuladen - jedoch gehört solch ein Werk in meinen Augen auf jeden Fall unterstützt!

Ein grimmiges Machwerk voll stolzer Erhabenheit und träumerischer Nostalgie. Gerade Anhänger der glorreichen Mitt-90er dürften mit diesem Album mehr als glücklich sein!


Darbietungen:
01. Cold Winds of the Wild
02. The Ethereal Forest
03. Lake Evendim
04. The Prancing Pony
05. The Crypts of the Frost Storm
06. Eternity
07. Closure

Laufzeit: ca. 31 Minuten




Sonntag, 12. November 2017

Review: Slowjoint & Gaia - Split (LP, Virkelighedsfjern / Vinyltrolden / Svensk Psych Aften / AUSI Records / Magisk Stat - 2017)

It's time to get high... die beiden Kapellen SLOW JOINT und GAIA aus Dänemark veröffentlichten Anfang des Monats eine gemeinsame Split und zelebrieren auf dieser eine psychedelische Mixtur aus Sludge, kosmischen Doom-Klängen, Stoner Metal und Psychedelic Rock mit jeder Menge Fuzz und Rauchschwaden. GAIA können bereits zwei Alben und eine Demo seit 2014 vorweisen, SLOWJOINT immerhin ein Voll-Album sowie eine Demo und zwei Singles.






Die ersten beiden Beiträge steuern die drei Mannen von GAIA aus Kopenhagen bei. Mit ihrer erhabenen Mischung aus atmosphärischem Doom in extra slow-motion und von Drogen geschwängertem Stoner wissen die Herren gleich von Anfang an zu überzeugen. "Wound Gratuity" kommt ordentlich schleppend und walzend daher, schwebt gleichzeitig aber auch in überirdischen Sphären, die man in diesem Genre nur selten antrifft. Letzteres ist nicht zuletzt dem Gesang geschuldet, welcher zwar sehr hintergründig aufgenommen zu sein schein, dabei aber den interessanten Effekt aufweist, dass er über allem zu schweben scheint. Das instrumentale Grundgerüst aus dröhnendem Heavy Doom, Stoner und Space Rock-Whatever zeigt sich dabei schlicht und gar etwas primitiv, erhält dadurch aber eine hypnotische und fast schon meditative Wirkung. Da zeigen sich Einflüsse von SAINT VITUS, wie ELECTRIC WIZARD oder auch FUZZ deutlich, aus denen GAIA aber dann letztlich ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Das zeigt sich dann auch in ihrem zweiten Song "There is Nothing Left", der zusätzlich gar noch eine ziemlich melancholische Aura aufweist. Wenn der Sänger verzweifelt ins Mikrofon brüllt wird deutlich, dass hier große Emotionen mit im Spiel sind - da ist die Gänsehaut inklusive!

Das Trio SLOWJOINT gibt sich die Ehre, und gleich der Beginn von "Beverage Joe" verspricht bereits, dass es hier ungleich dreckiger und matschiger zur Sache gehen wird. Sludge Stoner Doom Metal ist die Devise. Selbst bezeichnet man seinen Stil mit "Retarded Blues" und erinnert dabei teils recht stark an die ersten MONSTER MAGNET, an MAMMOTH MAMMOTH oder die Stoner Sludge-Pioniere BONGZILLA. Dreckig, hart, kompromisslos und stoned. Die Gesellschaftskritik bekommt man dann noch oben drauf.

Fazit:
Was diese beiden Kapellen, die mir zuvor noch total unbekannt waren, abliefern ist Stoner Doom in Reinkultur. Wenn die beiden dänischen Gruppen auch völlig andere Grundsteine für ihre Musik legen, so haben sie doch beide einen sehr ähnlichen Effekt. GAIA noch erhaben, kosmisch agieren und über allem schweben zu scheinen, so holen SLOWJOINT den Hörer schnell auf den harten Boden der Tatsachen zurück, um ihm ihren Sludge-Sound ins Gesicht zu werfen - um anschließend gemeinsam ordentlich einen durch zuziehen und abzufeiern. Die Split ist auf schwarzes Vinyl gepresst worden und kann über den Kontakt von Virkelighedsfjern bezogen werden. Solltet ihr einmal einen Ausflug nach Dänemark unternehmen, würde sich auch auf jeden Fall ein Besuch im Plattenladen Vinyltrolden lohnen, der die Scheibe mit veröffentlicht hat und der wohl auch ein paar Exemplare hat. Preislich beläuft sich das Ganze auf 120 DKK (etwa 16,- Euronnen).

Bong Worshipping Metal. Nothing for the weak!


Darbietungen:
Gaia:
01. Wound Gratuity
02. There's Nothing Left
Slowjoint:
03. Beverage Joe
04. Low and Slow
05. Politicks

Laufzeit: ca. 41 Minuten




Mittwoch, 1. November 2017

Review: Sombre Croisade - Balancier des âmes (CD, Pest Records - 2017)

Das kleine Label Pest Records aus Rumänien veröffentlichte Ende September das bereits zweite Voll-Album des infernalischen Duos SOMBRE CROISADE aus Frankreich., welche neben den beiden Werken ebenfalls zwei Split-Veröffentlichungen mit SUICIDAL MADNESS aus dem Jahr 2012 und mit AUGURE FUNÈBRE (2013) vorweisen können. Ehrlicher Weise muss ich gestehen, vor der Zusendung des Promo-Materials noch nie von der Band gehört zu haben, von daher stellt ihr aktuelles Werk gleichzeitig auch meinen ersten Kontakt mit ihnen dar.




Die beiden Mannen Malsain und Alrinack zelebrieren wie erwähnt Black Metal, und zwar in der Form der frühen Mitt-90er. Schnelle Riffs, peitschende Drums und doch weit entfernt von schierer Raserei, sondern vielmehr durchzogen von stolzer satanischer Erhabenheit. Dafür sorgen auf "Balancier des âmes" ("Der Seelen Pendel") gekonnt gesponnene Melodieführungen und schwarz-magische Rhythmen, die jedoch nichts an Härte einbüßen. So lassen sich getragene, beinahe epische Midtempo-Passagen ebenso ausmachen wie auch so manche instrumentalen Soli ("Balancier des âmes"), atmosphärische Breaks und akustische Momente ("Don Ténébreux"). Der Gesang präsentiert sich meist grimmig und kämpferisch, wagt aber Ausflüge in eher melancholische und atmosphärische Gefilde, auch werden neben dem typischen Schreigesang auch Growls verwendet oder auch Klargesang (eine wenn auch kurze Passage in "Midiane"). Der letzte Song "Souffles d'ailleurs" stellt dann noch einmal einen sehr atmosphärischen und majestätischen Abschluss dar. Insgesamt eine recht runde Sache.

Fazit:
Gut, die beiden Franzosen präsentieren mit ihrem neuen Album nun wirklich nichts, was man nicht schon zig Mal gehört hätte. Ein Album, welches sich den Transfer des Mid-90ies-Feelings in die Gegenwart auf die Fahne geschrieben hat, wird jedoch auch nicht die Intention haben, Neues schaffen zu wollen. Trotzdem halte ich "Balancier des âmes" für ein durchaus gelungenes Album: zum einen, weil ich die Sachen dieser Zeit einfach mag und mich an diesem typischen Stil nicht satt hören kann - zum anderen, weil SOMBRE CROISADE es tatsächlich schaffen, authentische Stimmungen zu erzeugen. Dem einen oder anderen wird das Werk aber wohl doch eine Spur zu unspektakulär ausgefallen sein, auch habe ich die Befürchtung, dass der Horde bei der schieren Masse an Veröffentlichungen heutzutage kaum die verdiente Aufmerksamkeit zuteil werden dürfte. Das Album wurde durch Pest Records im digitalen Format, sowie auf CD veröffentlicht. Bestellungen gehen direkt an das Label.

Solides Werk im Stile der Mitt-90er - geht eigentlich immer. Wer allerdings mehr erwartet, sollte einen Bogen um "Balancier des âmes" machen.


Darbietungen:
01. Renaissance
02. Balancier des âmes
03. Don ténébreux
04. Midiane
05. Voeux illusoires
06. Souffles d'ailleurs


Laufzeit: ca. 41 Minuten



Dienstag, 31. Oktober 2017

Review: Folteraar - Verteilingen van een donkere eeuw (LP, Iron Bonehead Productions - 2016)

Mit "Verteilingen van een donkere eeuw" brachte die deutsche Schmiede Iron Bonehead Productions im letzten Jahr das Debüt-Album der Niederländer FOLTERAAR unter die Heerscharen schwarzer Seelen dort draußen. Ich kam erst kürzlich in den Besitz der Platte und daher folgt nun eine verspätete Rezension. Das Duo aus dem Land der Tulpen und des Gouda formierte sich 2012, ein Jahr später debütierte man mit einer ersten Demo-Präsentation, es folgten mit "Live Torture Session" der Mitschnitt eines Auftritts der Horde, sowie eine Split mit den Mannen von CAVE RITUAL aus Bosnien und Herzegowina im selben Jahr...



...anschließend wurden mit "Rituele martelingen in de naam van puur zwarte kwaad" noch eine weitere EP, sowie eine weitere Demo-Kassette und noch eine Split mit MASTER'S VOICE im Jahr 2014 veröffentlicht. Allesamt in sehr geringer Stückzahl und in Eigenproduktion über das hauseigene Label The Throat. Danach erschien dann zwei Jahre später das hier vorliegende Werk, welches aber auch gleichzeitig das letzte Lebenszeichen der Horde sein sollte. Was gibt es also besonderes über die Musik zu sagen? FOLTERAAR machen ihrem Namen, der tatsächlich nicht auf den Adler verweist, sondern sich schlicht und ergreifend mit FOLTERER übersetzen lässt, alle Ehre: in 12 Liedern (inklusive Ein- und Ausklang) zelebriert man Pesthauch verbreitenden, mit Weihrauch und dichten Nebelschwaden geschwängerten, von düsteren Riten und finsteren Katakomben geprägten, primitiven Oldschool Black Metal. Ein wenig Inspiration hat man sich auch im Death / Doom Metal geholt, aber das ist für den Puristen leicht verschmerzbar. Hier herrscht eindeutig der Schwarzmetall vor und der kennt keine Gnade. Anhänger solcher Horden wie alten BEHERIT, PROCLAMATION, aber vor allem auch den Kanadiern HOSTIUM, welche ihr Album "The Bloodwine of Satan" ja ebenfalls vor geraumer Zeit unter dem Banner von Iron Bonehead veröffentlichten (eine Rezension gibt es >>hier<<) und von LITURGIA MALEFICARUM aus Italien (Album "Totus Tuus", zu welchem es >>hier<< die Besprechung gibt), die mit ihren ranzigen und kranken Interpretation des Black Metal einen sehr ähnlichen Stil fahren. Die Zielgruppe wird also definitiv angesprochen und wer besagte Kapellen zu seiner Sammlung zählt, wird wissen, auf was er sich hier einlässt und was er zu erwarten hat. Weitere Worte sind hier wohl nicht von Nöten und erübrigen sich eigentlich auch.

Fazit:
FOLTERAAR's "Verzerrungen aus einem dunklen Zeitalter" wie man den Titel wohl übersetzen könnte, gleichen düsteren Gemälden mit Darstellungen von Tod und Pest, Schmerz, Pein und endlosem Leid. Musik, die nur einem wahnsinnigen Geist in einem Fiebertraum entsprungen sein kann. Absolute Antipathie gegen das Menschsein. Dichter Nebel zieht vor den Augen auf und schwerer Modergeruch steigt dem Hörer in die Nase. FOLTERAAR beschwören ihren puristischen und primitiven Schwarzmetall, wenn sie schon nur wenig Innovation ins Spiel bringen (was aber wohl auch nicht die Intention hinter solch einem Werk ist), mit sehr viel Authentizität. Die LP kommt im schwarzen Vinyl in einer Hülle mit zusätzlich bedruckten Innenseiten und beinhaltet zudem ein doppelseitiges Beiblatt mit Infos zur Besetzung, zur Aufnahme und Fotos. Limitiert ist die ganze Angelegenheit auf 500 Exemplare. Interessenten wenden sich zwecks einer Bestellungen am besten direkt an Iron Bonehead.

True Black Metal Cult... und die Welt ward zu Staub. Und die Menschheit ward zu Asche. Heil dem Untergang!


Darbietungen:
A-01. Innerlijk vuur (intro)
A-02. De mars der ondoden
A-03. Droomgezichten
A-04. Waan
A-05. Mijn verlossing
A-06. Conjuratie van het kwaad

B-07. Lasterende gebeden
B-08. De vormloze chaos
B-09. Maalstroom in krankzinnigheid
B-10. Naar
B-11. Onzuiver
B-12. Nachtloper


Laufzeit: ca. 40 Minuten




Freitag, 27. Oktober 2017

Review: White Oak - Verscholen visies (Digitales Album, Eigenproduktion - 2016)

Im letzten Jahr veröffentlichte die niederländische Horde WHITE OAK ihr Debüt-Album "Verscholen visies", welchem eine Demo-Präsentation aus dem 2012 vorausging. Im Juli diesen Jahres folgte dann noch eine digitale EP mit dem Titel "Gekruiste paden" ("Gekreuzte Pfade"), anschließend löste sich die Band auf.








Die Aufnahmen zum Album entstanden bereits in den Jahren 2012 - 2013, was auch erklärt, wieso noch weitere Mitglieder als die beiden Protagonisten Hæresiarch Sr. und W. Damiaen beteiligt waren, die zusammen dem Projekt bis zu letzt treu blieben. Beide sind auch bekannt durch andere, teilweise sehr namhafte Projekte wie LASTER, NEVEL und SEA OF TREES. Auf "Verscholen visies" erwartet den Hörer eine erhabene Form des atmosphärischen Black Metals. Bereits der Opener des Albums "Herinneringen in zuilen en graven van steen" macht dies mehr als deutlich. Ein Sample, aufgenommen an der Nordseeküste, gefolgt von einem hymnischen Midtempo-Black Metal, der seine Epik vor allem durch die sphärischen Gitarren und sein rhythmisches Schlagwerk erhält. Das erinnert in Zügen letztlich auch an ihre Landsleute ELFSGEDROCH. Mit "Grauw ijs" folgt der erste Teil der Trilogie "Omwenteling". Hier nimmt man ein wenig an Fahrt auf und zelebriert ein etwas höheres Tempo als noch beim Vorgänger, zeigt sich dabei aber nach wie vor anmutig und majestätisch. Der zweite Teil "Geest" ist ein instrumentales Zwischenspiel mit Akustikgitarre und Streichern. In "Wrekend vuur" entflammt schließlich das schwarze Feuer in den Herzen der Mannen, so scheint es. Erhabene Schwarzmetall-Tonkunst, die sich einem hier offenbart und mehr noch als alle bisherigen Darbietungen dieses Albums zeigt, dass die Mannen nicht nur ihre Instrumente beherrschen, sondern auch den Geist nächtlicher Kälte und Gedankenwelten verinnerlicht haben. Der letzte Song "Waar het merg schemere" setzt dann genau dort an, wo "Wrekend vuur" endete und bietet einen mehr als würdigen Abschluss.

Fazit:
Es gibt Bands und Alben, bei denen es einem im Nachhinein förmlich leid tut, dass sie es auf nur eine kurze Lebensdauer gebraucht haben und ihre Werke noch nicht einmal die Aufmerksamkeit erhielten, die sie eigentlich verdient hätten. Bei der heutigen Masse an Black Metal-Bands, die nahezu täglich mehr wird, aber auch nicht weiter verwunderlich. Trotzdem darf man wohl auch mal Fragen aufwerfen wie, warum solche hoch emotionalen Bands es nicht zu einem wirklichen Deal mit einem Label gebracht haben, wohingegen einige Bands, die immer nur die selbe belanglose Scheiße herunterleiern, von jedem abgefeiert werden. Das lässt einen doch ab und an schon einmal über das Niveau, auf welchem sich die heutige 'Szene' bewegt nachdenken. Die digitale Version des Albums ist weiterhin über die Bandcamp-Präsenz der Kombo erhältlich und schlägt mit 3,- Euronnen zu Buche. Die CD, welche im Digipak erschien und auf 100 Stück limitiert ist, scheint nicht mehr erhältlich zu sein.

Atmosphärischer Black Metal. Wild, frei und majestätisch!


Darbietungen:
01. Herinneringen in zilen en graven van steen
02. Omwenteling I: Grauw ijs
03. Omwenteling II: Geest
04. Omwenteling III: Wrekend vuur
05. Waar het merg schemere

Laufzeit: ca. 36 Minuten




Donnerstag, 26. Oktober 2017

Preview/Vorab-Review: Kuilu - Promo 2016 / Monumentti (CD, Deviant Records - 2017/2018)

Vor einiger Zeit ereilte mich die Mitteilung, dass das finnische Projekt KUILU demnächst ihr Debüt-Album veröffentlichen wird, und zwar unter dem Banner der deutschen Tonschmiede Deviant Records. Die mir vorliegenden Aufnahmen sind Demo-Präsentationen ohne Titel und entsprechen daher wohl auch noch nicht dem finalen Klangbild, das Cover ist ebenso erst einmal vorläufig und kann sich noch etwas ändern. Das Motiv des Sisyphos aus der Feder von Franz von Stuck soll aber definitiv bleiben.




Zunächst einmal ein paar Eckdaten zu der Horde aus Finnland, welche den meisten - mich eingeschlossen - wohl eher noch kein Begriff sein dürfte: es handelt sich hier ein Quartett, unter dessen Mitgliedern sich u.a. auch Eetu Hentunen tummelt, der hier als Gitarrist und Sänger auftritt und welcher ebenfalls für den Gesang in der Melodic Death Metal-Kombo TORCHIA verantwortlich zeichnet, deren aktuelles Werk ebenfalls noch eine Rezension erfahren wird. Aber das nur am Rande. KUILU bestehen seit 2010, haben bisher aber eher selten von sich hören lassen. Debütiert wurde mit einer EP namens "Haudalla/Vitra" im Jahr 2012, zwei Jahre später folgte eine Kassetten-Demo, 2015 wurde dann das bisher letzte Lebenszeichen in Form einer Live-Split mit JOHN THE BAPTIST, UNCLEAN und CIRCLE OF DAWN veröffentlicht, die im Rahmen des "Apocalyptic Rites"-Festivals aufgenommen wurde. Nun folgt also im nächsten Monat das erste Voll-Album. Zu den vorherigen Veröffentlichungen kann ich nicht sehr viel sagen, es existieren zwar ein paar Song-Videos auf YouTube, aber hat beispielsweise die Debüt-EP nur bedingt etwas mit dem hier vorliegenden Material zu tun. Geboten wird eine Mixtur aus räudigem Black Metal mit sphärisch-psychedelischen Heavy Doom-Klängen, was nicht nur interessant klingt, sondern in diesem Falle auch wie die sprichwörtliche Faust auf's Auge passt. Die Zelebrierung ist minimalistisch gehalten, aber zweckmäßig. Ich bin gespannt, was sich da in Sachen finaler Produktion noch tun wird. Die Stimmung auf jeden Fall ist sehr passend, schwankt irgendwo zwischen abgrundtiefer Finsternis, okkulten Geisterbeschwörungen, dem Wissen um alte Magie und ranzig-fauligem Gestank, der aus uralten Grüften empor steigt. Zur Mitte hin wird das Album sogar noch mal eine Stufe besser und intensiver, da die reinen Black Metal-Parts hier mehr Einzug in das Geschehen erhalten.

Fazit:
Vorläufig lässt sich sagen, dass die Lieder der Promo für das kommende Album schon recht ordentlich sind, wenn man bedenkt, dass es sich hier lediglich um unfertige Demo-Präsentationen handelt. Mittlerweile haben Deviant Records auf ihrer offiziellen Souncloud-Präsenz auch einen Titel mit Namen "Madot" (wenn die Reihenfolge der Promo beibehalten wird, handelt es sich um Titel 2) hochgeladen, und wenn man nach diesem geht, bleibt die räudige Essenz der Vorab-Versionen erhalten, lediglich der Sound an sich klingt nun um einige feine Nuancen ausgebessert. Da kommt definitiv großartiges im November auf uns zu. "Monumentti" wird somit seinem Namen gerecht und ein Werk dichter, ranziger Atmosphären werden, welche da gezeichnet sind von Schmerz, Leid und Dunkelheit. Deviant Records wird das Album im Laufe der nächsten Monate zunächst als CD im Digipak veröffentlichen (ob dies noch in diesem Jahr geschehen wird, ist derzeit leider nicht absehbar und daher wohl eher unwahrscheinlich), später wird auch eine Auswertung als DLP erfolgen, welche beide wie immer limitiert sein werden. Natürlich werde ich noch weiterführende Informationen über Änderungen am fertigen Werk nachschieben, sobald es veröffentlicht wurde.
Anbei die Premiere von "Madot" auf Soundcloud als Einbettung.

Atmosphärischer, psychedelischer Doom und Galle speiender, nach Pest und Verfall stinkender Black Metal gehen hier eine gekonnte Symbiose ein. "Monumentti" verspricht ein grandioses Werk zu werden!


Darbietungen:
01. ?
02. Madot
03. ?
04. ?

Laufzeit: ca. 42 Minuten





Vorab-Review: Höllensturm - Blitzkrieg (CD, Wolfmond Production - 2017)

Nächsten Monat wird das neue, zweite Album der deutschen Horde HÖLLENSTURM veröffentlicht werden. "Blitzkrieg" wird es heißen und seinem Namen alle Ehre machen. Die Veröffentlichung wird das Label Wolfmond Production übernehmen, welches das Werk in zweifacher Ausführung anbieten wird, doch dazu später mehr. Was die geneigte Hörerschaft von dem bald erscheinenden Album halten darf, lest ihr in folgenden Zeilen...






Seit der Veröffentlichung von "Sturm" sind nun auch wieder zwei Jahre ins Land gezogen. Die Horde um Desiderius, Helvete (beide auch mit DARK ARMAGEDDON aktiv) und Blizzard war seitdem jedoch alles andere als untätig und scheint auch permanent auf kleinen Konzerten vertreten zu sein. Ihr neues Album beginnt dann auch gleich mit dem Titel gebenden Stück und das legt auch gleich ohne große Umschweife los: nach einem rhythmischen einleitenden Teil geht es gleich in die Vollen und der sprichwörtliche "Blitzkrieg" schallt dem Hörer entgegen. Ein Gemetzel sondergleichen, ein schneller, gezielter und erbarmungsloser Angriff ohne Rücksicht auf Verluste. Gefangenen werden keine gemacht - zurück lässt man nur Blut und Knochenstaub. Eine kurze Verschnaufpause in Form eines Breaks mit anschließendem Midtempo wird dem Hörer aber immerhin zugestanden. Das liest sich jetzt vielleicht wie ein rein brachiales Geknüppel ohne viel Sinn und Verstand, ist aber wohl überlegt dargeboten. Bei genauerer Betrachtung gewährt das offensichtliche Chaos nämlich so einige spielerische und melodisch erhabene Details, die es wert sind, Gehör zu finden. "Die schwarze Legion" gibt sich im nächsten Stück die Ehre und wird von einem regelrechten Sturm begleitet, der unbarmherzig alles niederfegt, was es wagt sich ihm entgegenzustellen. Gleichzeitig präsentiert sich die grundlegende Essenz dieses Songs etwas düsterer, da er teils auch schleppender präsentiert wird. Nichtsdestotrotz schwebt aber auch hier ein gewisser Stolz und eine kriegerische Erhabenheit mit. Mit "Totenmoor" geht man gleich wieder in die Vollen, das Schlagzeug peitscht ordentlich nach vorne, die Gitarren sägen und beschwören eine chaotische Stimmung herauf, der Gesang zeigt sich auch hier wieder kämpferisch, von tiefer Verachtung und zerstörerischem Hass erfüllt. Durch gekonnte Tempowechsel und gut platzierte Breaks wird es auch hier nicht langweilig. "Der Wolf" wird über weite Strecken im Midtempo dargeboten, die rasanteren Momente werden immer mal wieder eingestreut, bis man dann aber zum Ende hin wieder durchgehend an Fahrt aufnimmt. "Ewige Stille" zeigt sich vom Aufbau her einen Hauch melancholischer, nimmt aber nicht zuletzt des Schlagwerkes wegen im Verlauf einen militanten und kriegerischen Stil an. Die Gitarren schwanken auch hier wieder zwischen melodischer Raserei und heraufbeschworenem Chaos. Mit "Im Namen der Rache" geht es dann mit brachialer Gewalt weiter, inklusive einem chaotischen Gitarrensolo, während "Iron Cross" noch einmal im schnelleren Midtempo zelebriert wird und eine wirklich stolze Atmosphäre besitzt, bis man dann zur Mitte hin wieder alles gnadenlos niederwalzt. Die übrigen drei Lieder folgen dem selben Muster.

Fazit:
Die Kriegsmaschine HÖLLENSTURM zieht erneut in die Schlacht und hinterlässt auf ihrem Weg nichts weiter als verbrannte Erde. "Blitzkrieg" ist oberflächlich betrachtet blankes Chaos, welches sich durch 10 kämpferische Lieder voller Hass und Kriegerstolz ergießt. Doch bei eingehenderer Beschäftigung mit dem Werk, wird einem klar werden, dass hinter diesem ein großer Plan steckt und dieses alles verschlingende Chaos gewollt ist. Das erinnert doch so ein wenig an die letzte MARDUK Platte "Frontschwein" oder an die Amis von NIGHTBRINGER, wobei deren mystisch-okkulte Note hier natürlich in keinster Weise aufgegriffen wird. Das Album erscheint demnächst als CD im Jewelcase (limitiert auf 250 Stück, 10,- Euronnen) und als A5-Digipak (50 Exemplare, 15,- Euronnen), welche neben dem Silberling noch eine Pro-CDr zum selber brennen, sowie ein separates Beiheft samt Inlay enthält. So kann man das Album überall mit sich rumtragen und kann sein Original trotzdem zu Hause lassen. Bestellungen werden in absehbarer Zeit über den Mailorder von Wolfmond Production möglich sein.

Black Metal ist Krieg? Dieses Album ist der Beweis!


Darbietungen:
01. Blitzkrieg
02. Die schwarze Legion
03. Totenmoor
04. Der Wolf
05. Ewige Stille
06. Im Namen der Rache
07. Iron Cross
08. Vormarsch
09. Blutlust
10. Sardistic

Laufzeit: ca. 53 Minuten




Review: Höllensturm - Sturm (CD, Immortal Blood Records - 2015)

Anlässlich dem baldigen Erscheinen des zweiten Albums "Blitzkrieg", welches voraussichtlich im nächsten Monat über Wolfmond Production erfolgen wird, möchte ich mich dem bereits zwei Jahre alten Debüt der Herren von HÖLLENSTURM widmen. Dieses wurde schlicht und einfach "Sturm" betitelt und wurde unter dem Banner von Immortal Blood Records (u.a. DARK ARMAGEDDON, das Hauptprojekt von HÖLLENSTURM und SCHATTENFANG) veröffentlicht.






HÖLLENSTURM setzt sich aus den beiden DARK ARMAGEDDON-Mitgliedern Desiderius (Gitarren) (welcher das Projekt letztlich auch ins Leben gerufen hat) und Helvete (Bass) zusammen. Ihnen schließt sich Blizzard an, der für den Gesang verantwortlich zeichnet. Am Schlagwerk nahm Val Atra Niteris (u.a. auch HEIMLEIDEN) Platz, der inzwischen aber kein Teil mehr der Horde ist. Ganz dem Titel entsprechend fahren die Herren hier eine ziemlich rasante Marschroute des Black Metal, der sich dank der machtvollen Produktion als sehr vital, kraftvoll und mit mächtig Druck dahinter präsentiert. Kriegerische Hassmusik, die einfach alles niederwalzt, was ihr im Weg steht. Dabei zeigt sich die Horde aber glücklicher Weise auch im Stande dem Ganzen eine relativ melodische Note zu geben und peitscht nicht einfach nur stupide nach vorne, sondern gibt auch zu erkennen, dass man seine Instrumente beherrscht. Allzu weit führende spiel-technische Experimente werden zwar nicht gemacht, aber allein diese solche rhythmischen Midtempo-Passagen, wie sie Songs wie "Bismarck" zu bieten haben, erweisen sich als sehr gehaltvoll und atmosphärisch erhaben. Da werden sogar einige Gitarrensoli geboten und auch das Schlagzeug kann weit mehr als drauf los bolzen. Die einzige Konstante ist der Gesang, der der Hörerschaft seinen permanenten Hass und seine Verachtung entgegen speit.

Fazit:
"Sturm" ist vielleicht kein hoch emotionales Album. Das will es aber auch gar nicht sein, und das braucht es auch gar nicht. HÖLLENSTURM entfachen mit ihrer Musik nämlich genau das: einen alles vernichtenden Sturm der Apokalypse, der jedoch auch von seinen atmosphärischen Aspekten her zu überzeugen weiß und sich daher wohltuend vom Durchschnitt hervortun kann. Die CD wurde in zwei Ausführungen veröffentlicht: einmal als normale Jewelcase und als Digipak, welches auf 111 Exemplare limitiert ist. Beide sind weiterhin über den Mailorder von Immortal Blood Records erhältlich und zu beziehen.

Brachiale Sturmgewalt - für Jünger kompromisslosen Black Metals mehr als empfehlenswert!


Darbietungen:
01. Hellstorm
02. Blizzard
03. Bismarck
04. Damien
05. Sturm
06. Pest
07. Inferno
08. Return of the black Hordes
09. Realm of Night
10. The headless Horseman

Laufzeit: ca. 63 Minuten




Mittwoch, 25. Oktober 2017

Tyakrah - Wintergedanken (CD, Satanath Records / Slaughterhouse Records - 2017)

In Kooperation mit Slaughterhouse Records veröffentlichte das russische Label Satanath Records am 21. Oktober dieses unauffällig erscheinende Debüt-Album des noch jungen Duos TYAKRAH aus Münster, Deutschland. Die beiden Protagonisten J.R. (Gesang, Schlagwerk, Texte) und I.XII (Gitarren, Tasten, Bass) gründeten ihr Projekt im Jahr 2016 mit dem Vorhaben atmosphärischen und intensiven Black Metal zu spielen.






Etwas woran sich schon etliche andere versucht haben, die meisten jedoch dran scheiterten und die Essenz des Black Metal doch eher meist nur ankratzen und eher Genre fremde Klänge einfließen lassen. Doch wie verhält es sich im Fall des Erstlings der beiden Münsteraner? TYAKRAH machen nach dem der instrumentale Einklang "Auf kalten Wegen" mit seinem eindringlichen und melancholischen Klavierspiel verklungen ist, gleich deutlich, um was es ihnen hier geht. "Gefrorne Tränen" beginnt direkt mit einem sehr getragenem Stil, der voller epischer Sphären und gleichzeitiger Eiseskälte steckt. Für die andachtsvolle Reise durch melancholische Winterlandschaften sorgt dabei das erhabene Schlagwerk, welches nach dem einleitenden Part eine treibende Kraft bekommt und im Endpart gar noch einen, wenn auch kurzen, brachialen Solo-Einsatz erhält. Für die epischen Passagen zeichnet hingegen die sehr melodische Gitarre verantwortlich, die einen langgestreckten Solo-Part nach dem nächsten raushaut. Dazu passend auch der Klargesang in der letzten Hälfte. Einfach grandios und mehr als nur eine runde Sache. Man merkt bereits, dass mich das Album mit seiner Magie bereits fest in seinem Griff hat. Doch erst einmal weiter. "Wintergedanken" wäre wahrlich nicht das erste Werk, welches seine Magie bereits nach einem Song versprüht hätte und anschließend nur noch vor sich hin dümpelt. Doch beim darauf folgenden Titel gebenden Lied wird man schnell gewahr, dass diese Befürchtungen absolut unnötig sind. Dabei zeigt sich "Wintergedanken" etwas schleppender und düsterer als der Vorgänger, bis er dann zur Mitte hin noch einmal ordentlich Fahrt aufnimmt und Zähne zeigt. Ein eisiger Wirbelsturm aus düsteren Gedankenströmen und tiefer Verlorenheit. Hier finden sich im letzten Teil des Stückes auch ambiente Anklänge, gefolgt von einem erneuten Black Metal-Part mit einem tiefen Klargesang. Nach dem ambienten Zwischenspiel "Eisige Andacht" samt Glocken und Chören sowie erhabenem Klargesang aus jenseitigen Sphären geht es auch gleich weiter mit "Fährten im Schnee", dem persönlichen Favoriten der Band, wie es auf ihrer Visagenbuch-Seite vermerkt ist. Und beim hören, wird einem auch relativ schnell klar werden, warum das so ist. Es ist vielleicht der schnellste Beitrag des Albums, die Drums peitschen Sturmes gleich nach vorne, die Gitarren zeigen sich auch hier wieder sehr episch und erhaben. Zur Mitte hin wird dann die Geschwindigkeit gedrosselt, ein Klargesang setzt ein, dann ein Gitarrensolo, bis es dann in einen rhythmischen Midtempo-Black Metal weitergeht, bei dem sich der Gesang mal sehr grimmig zeigt. Das letzte Viertel ist dann rein instrumental gehalten und man darf einfach nur das perfekte Zusammenspiel zwischen Gitarren und Schlagzeug bewundern. "Erstarrende Nacht" schlägt in die gleiche Kerbe, es verhält sich bei dem Album also eher so, dass nach hinten hin sogar noch richtig drauf gelegt wird. Der Song hat eine gewisse Brachialgewalt, ist dabei aber gleichzeitig sehr machtvoll und erhaben, wie man es auf diesem Album erwarten darf. Auch lassen sich hier einige Parallelen zu anderen deutschen Kapellen wie RIMRUNA oder DRENGSKAPUR finden, als direkter Vergleich fallen mir auch die Österreicher HĀG ein, die jüngst ebenfalls mit ihrem Debüt glänzen konnten. Mit "Ende des Weges" findet das Werk dann einen würdigen Abschluss in Form eines sehr atmosphärischen Dark Ambient-Stückes mit Klavier, düsteren Chören und Samples.

Fazit:
Ein Album wie ein kalter, eisiger Sturm in einer kargen schneebedeckten Winterlandschaft. Die perfekte Symbiose zwischen traumhaften und epischen Atmosphären und grimmiger Finsternis. "Wintergedanken" klingt für ein Debüt-Album bereits sehr ausgereift und ich bin daher sehr gespannt, wie sich TYAKRAH in Zukunft noch entwickeln werden. Ja, es ist vielleicht nicht gerade neu, was hier geboten wird, doch bemüht man sich redlich um einen individuellen Klang und tut dies mit derlei viel emotionaler und spielerischer Hingabe, dass man sich vor den Herren nur verbeugen kann. Auch Leuten, für die es nach BURZUM's "Filosofem" kein gutes Black Metal-Album mehr gegeben hat, empfehle ich dringend eine Hörprobe! Die CD im Vinyl-look kommt im Jewelcase mit OBI und 8-seitigem Beiheft. Für Interessenten aus Deutschland empfiehlt sich der direkte Kontakt zur Band zwecks einer Bestellung.

Grim, Dark & Epic Atmospheric Black Metal. Ein Album, welches die Winterszeit vertont wie lange kein anderes mehr. Total Support!


Darbietungen:
01. Auf kalten Wegen
02. Gefrorne Tränen
03. Wintergedanken
04. Eisige Andacht
05. Fährten im Schnee
06. Erstarrende Nacht
07. Ende des Weges

Laufzeit: ca. 37 Minuten




Samstag, 14. Oktober 2017

Review: Helvetespine - Forheksede visjoner (CD, Self Mutilation Services - 2014)

Unglaublich, dass dieses Werk schon satte drei Jahre auf dem Buckel hat. HELVETESPINE zählen zu den Bands, die mal so absolut an mir vorbei gegangen sind - dabei zählt die Ein-Mann-Kapelle um Mastermind Wiik (Banehogg) zur Riege von Mysticism, welche das Debüt auf Vinyl veröffentlichten. "Forheksede visjoner" stellt das zweite Voll-Album dar, welchem noch eine frühe Demo-Präsentation sowie eine EP, die bereits 2005 unter dem Namen MARERITT schon einmal veröffentlicht wurde, vorausgingen.





Bei dem vorliegenden Werk des Norwegers handelt es sich schlicht und ergreifend um düsteren und traditionellen nordischen Schwarzmetall. Gleich das erste Lied "Døde toner - et drømmespill i tåke" macht deutlich, wohin die Reise auf dieser Scheibe geht. Atmosphärische, erhabene Black Metal-Musik, die ganz im Zeichen nordischer Mythologie steht und ihre Inspiration aus langen Aufenthalten an Norwegens Fjorden und in seinen Wäldern bezieht. Dunkelheit ist ebenso ein fester Bestandteil der Lieder als auch eine melancholische Nostalgie, die manches Mal gar in eine Art depressiver Stimmung umschlägt. Auch die Tatsache, dass sich das Album in seinen langsamen Spannungsaufbauten sehr viel Zeit (aber nicht ZU viel Zeit) nimmt, ist als definitiver Pluspunkt zu werten - Black Metal gegen den schnell-lebigen Zeitgeist.

Fazit:
Ein grandioses Werk, welches keiner großen Worte bedarf, gerade auch weil man es an sich selbst erfahren sollte. HELVETESPINE inszenieren tiefgreifende musikalische Landschaften, die ihre Stärke ganz klar aus der düsteren Kargheit, die ihnen innewohnt, beziehen. Passend dazu kommt die CD in einer edlen Aufmachung daher: stabiles ausklappbares Digipak aus Raukarton mit Silberdruck. Limitiert ist das gute Stück auf 500 Exemplare, die ersten 100 wurden mit einem schicken Logo-Aufnäher ausgeliefert. Deutsche Interessenten sollten sich zwecks einer Bestellung an Sol Records wenden, welche das Album im Distro führen.

Norsk Atmospheric Black Metal. Only for the Nostalgic Black Hearts!


Darbietungen:
01. Døde toner - et drømmespill i tåke
02. Choirs of the Last Aeon
03. ...og en navnløs engel steg ned, fra et rike langt bortenfor stjernene
04. Forheksede visjoner del I
05. Forheksede visjoner del II


Laufzeit: 31 Minuten




Freitag, 13. Oktober 2017

Zmora - Czarne otchłanie i martwe cienie (CD, Werewolf Promotion - 2017)

Neues gibt es auch aus Polen zu vermelden: die Kapelle ZMORA veröffentlichte nämlich bereits im März ihr neues Album "Czarne otchłanie i martwe cienie", was so viel wie "Schwarze Abgründe und tote Schatten" bedeutet. ZMORA heißt im Deutschen auch so viel wie "Fluch" - der Titel stellt zusammen mit dem Namen des infernalischen Trios eine Art Symbiose dar. Diesem gingen bereits zwei Alben voraus, von denen mir allerdings nur das Debüt "Popioły tego świata" ("Asche dieser Welt") bekannt ist, sowie eine erste Demo-Präsentation aus dem Jahr 2011.




Gleich zu Beginn wird deutlich, was den geneigten Hörer auf dem aktuellen Auswurf der Horde erwartet: exzellenter polnischer Black Metal der alten Schule. Dem bin ich persönlich ja bekanntlich auch nie abgeneigt, sofern er gekonnt in Szene gesetzt ist. Und das beherrschen die drei Mannen von ZMORA außerordentlich gut, auf "Czarne otchłanie i martwe cienie" wird das noch einmal deutlicher als auf ihrem Erstlingswerk. Das lässt sie ohne weiteres in einer Liga mit PLAGA, MGLA oder ARYMAN mitspielen - natürlich werden hier auch die alten (ehemaligen) Helden der polnischen Szene zitiert. Anklänge alter GRAVELAND lassen sich ebenso ausmachen wie VELES oder BEHEMOTH zu "The Return Of The Northern Moon" oder "...From The Pagan Vastlands"-Zeiten. ZMORA zelebrieren ihren Schwarzmetall einerseits also brachial, versetzen ihn jedoch mit reichlich hymnischen Sphären und klingen an manchen Stellen ziemlich okkult und mystisch. Auch akustische oder klassische Momente scheuen die Herren nicht. So bietet beispielsweise "Nienasycenie" ein eindringliches Klavierstück im ersten Drittel.

Fazit:
Ein durch und durch gelungenes Album, welches die Polen von ZMORA hier gezaubert haben. Eigentlich auch gar nicht mehr direkt mit den anfänglichen Werken der Horde zu vergleichen, was die Qualität angeht. Ob die CD limitiert ist, weiß ich nicht zu sagen, aber die Tatsache, dass sie bereits bei sämtlichen mir bekannten deutschen Mailordern ausverkauft ist, spricht schon für sich. Interessenten sollten sich daher am besten direkt an Werewolf Promotion aus Polen wenden, da mir auch sonst keine andere Bezugsquelle bekannt wäre. Der Versand von Polen ist ja auch nicht so teuer...

True Polish Black Metal the old way. Nothin' more to say! Support the Darkness!


Darbietungen:

01. Straszliwych widm nawoływanie
02. Tu cisza zalega głęboka...
03. Błądzę pośród umarłych
04. Północnego wiatru skowyt
05. Trujący oddech podziemi
06. Czarne całuny nocy
07. Nienasycenie
08. Pośród zimna gwiazd
09. Na zawsze śmierć


Laufzeit: ca. 44 Minuten



Mittwoch, 11. Oktober 2017

Review: Zepharnecron - Necro Catacombs From The Ancient Paths (CD, Caligo Arcanum Productions - 2017)

Einmal mehr Mexiko... das Label Caligo Arcanum präsentiert uns mit "Necro catacombs from the Ancient Paths" eine Zusammenstellung auf CD des vollständigen Werkes von ZEPHARNECRON. Die Horde hat sich inzwischen aufgelöst und bestand auch nur von 2007 bis 2011, was eigentlich schade ist, da ihr Black Metal im Gegensatz zu so vielen anderen Bands aus diesen Breitengraden deutliches Potential erkennen ließ...






Die ersten beiden Lieder "Woods ov aeternus desolation" und "Master black light storm" stammen von der ersten Veröffentlichung der Band, der 3-Wege-Split "Pact ov Lycanthropy Blood" mit WOLFHERR aus Brasilien und NIHIÜRBTRATH aus Venezuela.  Der Opener ist dann auch eher depressiver und irgendwie typisch für konsequenten Suicide Black Metal - der Gesang ist hier jedoch alles andere als jämmerlich, sondern mehr voller Verachtung gegenüber dem eigenen Leben und allem anderen, was lebt. Ein überraschend guter Einstieg. Lied Nummer zwei gibt dann mehr Gas, scheint auf Grund des leicht veränderten Klangbildes auch aus einer anderen Schaffensperiode / Aufnahme-Session zu stammen. "Master black light storm" ist lupenreiner Underground Black Metal mit einer sehr hymnischen Atmosphäre, die auch etwas Okkultes an sich hat. Geknüppelt wird hier vorwiegend im Midtempo, ein schnelleres Tempo scheut man allerdings auch nicht. "Thy dwell in the darkest flames" und "Unholy chaos" sind der Split mit KRYPTHALL (ebenfalls aus Mexiko) entnommen und bieten ebenfalls räudigen Schwarzmetall, dem trotzdem eine gewisse Erhabenheit inne wohnt. Alleine daran erkennt man, dass diese Horde ihre Musik nicht einfach nur eingeprügelt hat, sondern einen Plan von dem hatte, was sie tat. Was nun folgt sind Aufnahmen, die von alten, sehr raren oder auch unveröffentlichten Demos stammen und welche über die gesamte aktive Zeit der Band eingespielt wurden. Die Klangqualität schwankt dementsprechend auch von Lied zu Lied, klingt mal übersteuert und manchmal auch einfach zu stumpf in der Aufnahme - Freunde von unverfälschten Rehearsal-Aufnahmen dürften hier aber voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Fazit:
Die Zusammenstellung "Necro catacombs from the ancient paths" ist ein mehr als stolzer Nachruf an diese leider aufgelöste Band aus Mexiko, die hier ihr gesamtes Portfolio bis zu ihrer Trennung darbieten. Kann sich verdammt noch einmal hören lassen und ist gehaltvoller als so vieles andere, was ich bisher aus Mexiko ertragen musste. Die CD kommt als Pro-CDr im Jewelcase und ist auf 100 hand-nummierte Exemplare limitiert. Wenn ihr das Album also noch irgendwo sichten solltet, zögert nicht lange, sondern greift zu... es lohnt!

ZEPHARNECRON are dead. Long live ZEPHARNECRON! Ein düsteres Vermächtnis par excellence!


Darbietungen:
01. Woods ov aeternus desolation
02. Master Black Light Storm
03. Thy dwell in the darkest flames
04. Unholy Chaos
05. Awaiting for the black dream
06. Black essence ov serpentis pestilence
07. Prayers
08. Reaper Of The Faith II
09. Advokun aquelarre
10. On spectris damnation
11. Wolves sorrow
12. Crossing the aeterious fire
13. Frozen inferi
14. Oblivion
15. When Our Visions Are Cold Ov Death

Laufzeit: 77 Minuten




Review: Tempers Creature - Schwäbisch-Fränkischer Sagenschatz (Lieder aus bayerischen Landen) (CD, Wolfmond Production - 2017)

Das Duo TEMPERS CREATURE existiert nun seit knapp 10 Jahren (die Gründung fand 2008 statt). 2011 folgte das Debüt "Thanatos", welchem eine Demo-Präsentation vorausging und dem im Laufe der Jahre noch zwei weitere Voll-Alben folgten, sowie eine Split mit ERDENTHRAENE. Genügend Stoff, um auf sich aufmerksam zu machen, ist also vorhanden - trotzdem sagte mir die Kapelle bis zu hier vorliegendem Werk absolut überhaupt nichts.






Das mittlerweile vierte Album der Mannen nennt sich "Schwäbisch-Fränkischer Sagenschatz (Lieder aus bayerischen Landen)" und lässt vermuten, dass es sich hier um volkstümliche Texte und Melodien handelt, die hier vertont und neu interpretiert wurden. Zum Teil ist trifft dies auch zu: so stammt gleich der Text zu "Der alte Barbarossa" aus der Feder des deutschen Dichters Friedrich Rückert (1788 - 1866), genau wie die Rieser Sagen und Volksmärchen "Der Schmied vom Niederhaus" und "D' Schnitere" oder das von dem deutschen Lyriker Graf Christian zu Stolberg-Stolberg (1748 - 1821) inspirierte Stück "Die weiße Frau von Bayreuth". In musikalischer Hinsicht vermischen TEMPERS CREATURE verschiedene Einflüsse zu einem ganz eigenen Stil. Die Band selbst benannte ihren Stil einmal selbst "Atmospheric Suedian Depressive Heathen Metal" und das passt auch irgendwie, wenn es der Sache auch nur zum Teil gerecht wird. Das erste Lied ist eher dem Folklore zuzuordnen und erinnert in seiner Machart ein wenig an EMPYRIUM's Werk "Where at Night the Wood Grouse Plays" oder im Gesang teilweise auch an "Weiland". Der erste wirkliche Metal-Song präsentiert sich in "Fiarlesfiaß". Die Musik ist minimalistisch produziert, offenbart aber gleich einmal die wichtigsten Elemente, die man im Verlauf des Albums noch öfter antreffen wird: hymnische und erhabene Melodiebögen, die sich mit räudigen und schnellen Passagen abwechseln. Der keifende Gesang erinnert hier etwas an andere deutsche Horden vom Schlage WOLFSMOND (und Bands, die mit diesem Projekt zusammenhängen) oder RAUHNACHT. Das bereits erwähnte "D' Schnitere" bietet indes wieder einige musikalische Anleihen an den nostaligisch-romantischen Dark Metal, während "Der Schmied vom Niederhaus" eher einen sehr räudigen und kompromisslosen Stil inne hat, der im Gesang wie auch in den Instrumenten beinahe typisch für Vertreter des NSBM klingt, wenn gleich TEMPERS CREATURE natürlich absolut nichts Politisch-Extremes an sich haben und trotz ihres deutlichen Patriotismus ganz klar nicht in eine rechts-extreme Ecke zu stellen sind! Es gibt einen Unterschied zwischen Heimatliebe und Nationalsozialismus, auch wenn das einige Gutmenschen vielleicht nicht wahrhaben wollen. Der "Kirchseeoner Perchtenlauf" handelt textlich gesehen von einer alten Tradition aus den südlichen Gefilden Deutschland sowie Österreichs, welches auch heute noch als Volksfest in der Zeit der Rauhnächte gefeiert und begangen wird. Franz Kugler's Text "An der Saale hellem Strande" wurde zu einer düsteren Folk-Hymne mit Metal-Elementen und abschließendem Chor. Den in seiner Darbietung wohl reinrassigsten Black Metal bietet man bis dahin jedoch mit "Die weiße Frau von Bayreuth". Hier geben sich hymnisches Midtempo und rasende Verzweiflung die Klinke in die Hand. Dieser Stil wird dann auch bei "Der Teufelstisch" fortgesetzt. "Hämann" beschäftigt sich mit der Sage um den Hämann, einen Wildling, der auf dem Döbra in Frankenwald gelebt haben soll. Daraus geworden ist eine sehr gute Heathen Black Metal-Hymne, inklusive erhabenem Solo. Mit "Pulschnitzglitzern" folgt der letzte eigene Song - eine Liebeserklärung an Bayern und seine Alpenlandschaften. "Ein Heimatlied" ist eine Nachspielversion der Niederländer HEIDEVOLK und basiert auf deren Lied "Een Geldersch lied" (zu finden auf dem Album "Uit oude grond"), wurde übersetzt und im Text angepasst. Den Schluss bildet wieder ein gemischter episch erklingender Chor. Würdiger hätte dieses Album wohl kaum enden können!

Fazit:
Beim ersten Durchlauf hatte ich noch so meine Zweifel, ob mir das wirklich gefallen könnte, nun rotiert die Scheibe bereits seit einigen Malen in meiner Anlage und ich muss sagen, dass ich doch ziemlich angetan von der Art dieser beiden Herren. Natürlich muss man bedenken, dass es sich hier um ein Werk aus dem Untergrund handelt, daher sollte man auch keine allzu großen Ansprüche an die Produktion hegen. Auch nicht alle Beiträge des Albums zünden, sondern sind eher schon etwas nervig - vor allem der recht eigenwillige Gesang wird nicht jedem gefallen. Auch der ganz eigene Stil von Aurgelmir (Gesang, Saiteninstrumente, Keyboard) und Náttfari (Schlagwerk) wird nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen, da bin ich mir sicher. Letztendlich ist den beiden aber ein meiner Meinung nach insgesamt sehr starkes Werk gelungen, welches von seiner Nostalgie und romantischen Heimatverbundenheit lebt. Aurgelmir's Definition von eben jener ging mir persönlich auch sehr nahe und bedarf eigentlich keiner weiteren Worte. Pro-CDr im Digipak, welches ein 12-seitiges Beiheft mit allen Texten und Illustrationen und Erläuterungen enthält. Leider hält das Digipak keinen Einleger für das Beiheft bereit, so dass es lose drin liegt - ein verschmerzbarer Schönheitsfehler. Für 10,- Euronnen könnt ihr euch die CD im Mailorder von Wolfmond Production bestellen.

TEMPERS CREATURE zelebrieren mehr als nur Musik. Sie stehen für ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit, jenseits politischer Idiotie. Vielleicht genau das, was in dieser Zeit der innerlichen Zerrissenheit von Nöten ist.


Darbietungen:
01. Der alte Barbarossa
02. Fiarlesfiaß
03. Der Schmied vom Niederhaus
04. D' Schnitere
05. Kirchseeoner Perchtenlauf
06. An der Saale hellem Strande
07. Die weiße Frau von Bayreuth
08. Der Teufelstisch
09. Hämann
10. Pulschnitzglitzern
11. Bonusstück: Heimatlied (HEIDEVOLK Cover)

Laufzeit: 66 Minuten




Montag, 9. Oktober 2017

Review: Vfanhthore - Tremebunda Caligine Regionalista (CD, Caligo Arcanum Productions - 2017)

Auf meiner Suche nach immer wieder neuen, mir unbekannten Sachen, die mich auf vielleicht auf höhere musikalische und emotionale Ebenen führen, kam ich mit dem Schaffen von VFANHTHORE aus Mexiko in Kontakt. Bei jener Horde handelt es sich um ein Mitglied der obskuren "Congregación de la Suprema Entropía Arcana", eine Bruderschaft des luziferischen Glaubens, der auch viele weitere Personen und Bands aus Mexiko angehören, und die auch nicht nur ausschließlich aus dem Black Metal stammen.





"Tremebunda Caligine Regionalista" stellt das eigentlich die erste Demo-Veröffentlichung der beiden Mannen dar, welche im letzten Jahr das Licht dieser jämmerlichen Welt erblickte und zwar im Kassetten-Format. Die CD-Version wurde dann im Mai diesen Jahres nachgeschoben. Inzwischen existiert auch eine Split-CD mit den Süd-Koreanern SHADOWS OF BLACK CANDLELIGHT, welche ebenfalls über Caligo Arcanum veröffentlicht wurde. Aber wie steht es nun um das vorliegende Werk? VFANHTHORE richten sich mit ihrer Musik ganz klar an die Underground-Fraktion und Freunde räudiger Klänge. In der Musik schwebt ein beständiger Hauch von Pestilenz mit, auch Satanismus und Okkultismus sind allgegenwärtige Themen, ein wenig Einfluss nahm auch der extreme Suizid Black Metal, der sich ja auch gerade in Mexiko ständiger Beliebtheit erfreut. Die sieben Songs als 'räudig produziert' zu beschreiben, würde ihnen noch schmeicheln. Ja, VFANHTHORE sind mit Sicherheit nichts für Leute, die ihren Black Metal stolz und erhaben oder auch gut produziert mögen. "Tremebunda Caligine Regionalista" ist der vertonte Auswurf der Hölle, die mit Blut vermengte Kotze eines Tuberkulose-Kranken. Ranziger,nach verdorbener Fäulnis stinkender Zerfall.

Fazit:
Nein, in der Musik von VFANHTHORE steckt wahrhaftig nichts Schönes. Kein Schimmer am Horizont, kein Licht am Ende des Tunnels, keine Hoffnung auf Frieden nach dem Tod. Da ist nur vollkommene Schwärze, endlose Leere und karge Trostlosigkeit. Diese Aspekte lassen "Tremebunda Caligine Regionalista" zu einer interessanten Angelegenheit werden, da man hier endlich mal wieder ein reines, wenn auch minimalistisches Black Metal-Werk vorliegen hat. Die Musik, die dann aber bei Leibe auch nicht jedem gefallen wird (und auch ich kann mich mit ihr größtenteils doch nicht so recht anfreunden), präsentiert auch erst bei eingehenderer Beschäftigung einige gute Details, welche erkennen lassen, dass es sich bei dieser Horde um keine bloßen Stümper handelt. Aktuell ist mir nur noch der Mailorder von Wolfmond Production bekannt, der die CD im Angebot hat - aber auch dort sind nicht mehr viele Exemplare der insgesamt 500 vorrätig.

Wer endlich mal wieder ein total ranziges Black Metal-Album hören will, welches dazu noch ziemlich authentisch rüberkommt, der kann hier getrost zugreifen!


Darbietungen:

01. Altiva Embocadura Lúgubre
02. 424 Millones de Escombros
03.Camposanto
04. El Polvo Consumirá la Luz
05. Vorágine de Lluvia y Niebla
06. C.A.T.A.R.S.I.S
07. ...


Laufzeit: ca. 36 Minuten



Dienstag, 3. Oktober 2017

Review: Sarg & Lupan - Beben Janus Split (CD, Wolfmond Production - 2017)

Die noch relativ junge Horde SARG (gegründet 2014) und LUPAN veröffentlichten Ende letzten / Anfang diesen Monats die Split "Beben Janus" über Wolfmond Production. LUPAN gründeten sich Ende der 90er (1998), haben bisher vier Demos hervorgebracht, sowie das Album "Zeichen" aus dem Jahr 2015.








Den Anfang machen SARG aus Sachsen-Anhalt, welche hier vier Live-Aufnahmen zum besten geben. Die Lieder stammen allesamt von ihrem bisher einzigem Demo "Geflüster". "I Am The Spirit" dient dabei lediglich als Intro, mit "Panzerpogo" geht es dann aber auch gleich in die Vollen und man zeigt gleich einmal, dass man auch die Live-Performance beherrscht. Ein Song, der seinem Namen alle Ehre macht, schnurstracks nach vorne geht und dabei für ordentliche Nackenbrecher sorgt. "Child from below" beginnt da etwas gediegener, präsentiert sich im ersten Augenblick gar etwas melancholisch bis episch, bis erneut die Messer gewetzt werden und dem Publikum ein ordentliches Geknüppel aus Hass, Krieg, Tod und Chaos entgegen peitscht. "Throne of Mist" ist dann leider auch schon der letzte musikalische Beitrag der Horde und zieht noch einmal ohne Verluste nach vorne.

Es folgen nun LUPAN, die gleich zu Beginn keine Zweifel an ihrer Intention aufkommen lassen: "König Mortifer" ist räudig gespielter Black Metal, der eine wohlige Rehearsal-Attitüde inne hat. Trotz des recht rotzigen Underground-Sounds weist man doch eine Menge atmosphärischer Finesse auf, die die Sache wirklich interessant macht und nicht zum x-ten Mittelmaß verkommen lässt. Dies wird vielleicht im nächsten Beitrag "Im Namen von..." nochmals etwas deutlicher. Erhabenheit paart sich hier mit räudiger Kälte und unbändiger Wut. Am eingängigsten präsentiert sich aber der letzte Song der Band: in "Der letzte Pfad" regiert ein melancholisch anmutendes Midtempo das Geschehen und verweist auch die letzten Zweifler auf ihre Plätze.

Fazit:
Ein mehr als solides Underground-Release! SARG zelebrieren mit ihren Live-Stücken einen sehr brachialen Black Metal mit eindeutiger "fuck off and die"-Attitüde. Gefällt mir persönlich recht gut, allerdings gibt es wie bei fast 98% aller Live-Aufnahmen aus dem BM-Sektor hörbare Schnitte zwischen den Liedern, zudem ist das Publikum bis auf ein, zwei Ausnahmen kaum zu vernehmen, was den Live-Eindruck insgesamt etwas trübt. Klar, bestand der Gig mit Sicherheit auch nicht nur aus diesen vier Liedern. LUPAN machen ihre Sache ebenfalls recht ordentlich und zeigen, dass sie sowohl Kotze als auch Erhabenheit gekonnt vertonen können. Was man hier innerhalb dieser drei Lieder geboten bekommt, sucht man auf manchem Album vergebens. "Beben Janus" kommt als Pro-CDr im Jewelcase und ist auf 100 Exemplare limitiert. Interessenten wenden sich zwecks einer Bestellung am besten direkt an Wolfmond Production. Die 6,- Euronnen sind hier mehr als gut investiert!

Gelungene Split aus dem deutschen Untergrund. Just Support It!


Darbietungen:
Sarg:
01. Intro (I Am The Spirit)
02. Panzerpogo
03. Child from Below
04. Throne of Mist
Lupan:
05. König Mortifer
06. Im Namen von...
07. Der letzte Pfad

Laufzeit: ca. 27 Minuten