Montag, 13. November 2017

Review: Joyless Euphoria - Joyless Euphoria (CD, Anthrazit Records - 2017)

Aus unserem Nachbarland Österreich stammt das Duo JOYLESS EUPHORIA. Die zwei Herren veröffentlichten vor einer Weile ihr erstes unbetiteltes Voll-Album, welches bei dem jungen deutschen Label Anthrazit ein zu Hause fand. Beim Blick auf den Namen, das Logo und das Cover wird man evtl. schon erraten können, was einen hier erwartet. Doch Obacht: wer hier vorschnell urteilt und glaubt, dass es sich hier lediglich um einen weiteren nichtssagenden Vertreter des 0815-DSBM handelt, der irrt gewaltig...




In textlicher Hinsicht nimmt sich das Werk einem durchaus interessanten und intimen Thema an, und tritt schon allein deshalb aus der Masse hervor. Die fünf Lieder widmen sich dem Verlust eines geliebten Menschen durch Selbsttötung. In diesem Fall handelt es sich um eine Tochter, das Album dient dem Vater dazu seine Gedanken nach außen zu tragen und seiner Trauer um den Verlust Ausdruck zu verleihen und zu verarbeiten. Dabei lassen sich die einzelnen Lieder in Kapitel einteilen (ein Interpretationsversuch): "Night Terrors" behandelt die Tat des Kindes, in "Pallbearer" beschreitet der Vater wohl den schwersten Gang seines Lebens, in "Blissful Oblivion" versucht er zu vergessen und flüchtet dabei vor dem Leben, was in "The Valley" gipfelt. Ich nehme stark an, dass es sich hierbei um den langen Weg aus dem Tal der Einsamkeit handelt. In "My Reveries" schließlich hat er den Tod des eigenen Kindes angenommen, weiß aber auch, dass das Leben niemals wieder so sein wird, wie vorher. Das erinnert mich von der emotionalen Kraft und Dichte des Konzepts her an das hoffentlich bald erscheinende nächste Werk aus der Feder von MÉLANCHOLIE SUICIDAIRE, welches sich der Thematik der Sternenkinder annehmen wird. Aber hier geht es schließlich um JOYLESS EUPHORIA. Musikalisch betrachtet bietet man hier einen gelungenen Mix aus melancholischem Post Rock, emotionalem Black Metal, etwas Dark Ambient und Sample-Collagen. Wenn man die Thematik bedenkt machen die Samples im Kontext mit dem Cover sogar ziemlich Sinn und der Hörer mag erahnen, welchen Pfad des Suizids das Mädchen gewählt hat... der Gesang klingt ebenso herausstechend: zum einen bietet er in den Black Metal-Passagen ein authentisches Maß an Wut und gleichzeitiger Verzweiflung, zum anderen lassen sich in vereinzelten Songs wie "Blissful Oblivion" emotionsgeladende Passagen mit Klargesang finden, die von einer tiefen Sehnsucht zeugen und das Gefühl 'vermissen' förmlich spürbar machen. Instrumental gesehen bewegt man sich zuhauf im schnelleren Midtempo, legt aber auch schon einmal regelrechte Gefühlsausbrüche hin, in denen der Frust einfach nur herausgekotzt zu werden scheint, um im nächsten Moment den Hörer durch ein gekonntes Break wieder auf den Boden zu holen. Dabei finden Chöre ebenso ihren Einsatz (etwa "Pallbearer") wie auch herzzerreißende Gitarrensoli (das bereits erwähnte Stück "Blissful Oblivion"). Einige Blackgaze-Momente sind ebenfalls zu verbuchen, wer also auf die Sachen von AMESOEURS, GRAUZEIT und ähnlichen Kombos steht, der wird sich hier nicht nur heimisch fühlen, sondern das Album, wenn einmal gehört, nicht mehr so schnell wieder aus der Anlage hervor holen...

Fazit:
JOYLESS EUPHORIA liefern mit ihrem Debüt-Album mal wirklich ein Werk ab, bei dem es leider wirklich schade ist, dass mir hier keine Texte zu vorlagen. Gerne wäre ich näher auf die Thematik eingegangen. Doch manchmal ist vielleicht weniger eben mehr und so kann sich ein jeder ein eigenes Bild von der emotionalen Kraft machen, die dieses Album versprüht. Auch regt es dazu an, sich mit ihm zu beschäftigen. Wie würde man als Vater auf den (gewollten) Tod seines Kindes reagieren? Wie würde man damit umgehen? JOYLESS EUPHORIA haben hier etwas geschaffen, was sich nicht nur in musikalischer, sondern auch in konzeptioneller Hinsicht weitab vom Durchschnitt bewegt. Großartig, und in meinen Augen definitiv eines der besten Depressive Black Metal-Alben des Jahres! Die CD im Jewelcase gibt es im Mailorder von Anthrazit Records für schlappe 9,- Euronnen und ist jeden Cent wert.

Höchst emotionales Machwerk. Authentisch, manisch und schmerzerfüllt - fernab der Lächerlichkeit von Durchschnitts-DSBM!


Darbietungen:
01. Night Terrors
02. Pallbearer
03. Blissful Oblivion
04. The Valley
05. My Reveries




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