Freitag, 15. Dezember 2017

Review: Shards of a lost World - Zeugen des Todes (CD, Necro Genocide Records - 2017)

Es gibt mal wieder deutschen Black Metal um die Ohren. Das neue Werk von SHARDS OF A LOST WORLD erblickte nun doch endlich nach langer Verzögerung das Licht der Welt. Bedingt war diese Verzögerung (der Release sollte bereits im Juni erfolgen) Gerüchten zufolge durch mehrere Pannen und Ausfälle seitens des Labels. Wie dem auch sei... nun ist "Zeugen des Todes" endlich da, und meine Erwartungshaltung war angesichts der vergangenen Veröffentlichungen enorm hoch angesetzt, zuletzt bestach die Band ja durch die Neu-Aufnahme von "Hörst du die Stimmen" auf der zweiten Ausgabe des Wolfmond-Label-Samplers.



Nachdem im Jahr 2016 sowohl eine Split mit WALDSEEL ("Mystischer Hauch vergessener Welten" - eine Rezension lässt sich >>hier<< nachlesen), die "Geisternebel" EP (Rezension gibt es >>hier<<) eine Single auf Kassette mit Namen "Spaziergang durch den Regen" und das Live-Album "Primum Ritual" (>>hier<< geht es zur Besprechung) veröffentlicht wurden, hat man sich dann für das erste Voll-Album doch etwas Zeit gelassen, was aber natürlich positiv zu werten ist. Doch hat sich die Wartezeit nun auch wirklich gelohnt? SHARDS OF A LOST WORLD machen es einem da auf den ersten Blick nicht so einfach. "Zeugen des Todes" beginnt daher eher etwas gemächlicher, steigert sich von Lied zu Lied aber immer weiter. Welches Potential und dichten Atmosphären jeder einzelne der Beiträge in sich birgen, wird dem geneigten Hörer dann auch erst nach ein paar Durchläufen wirklich klar und für ihn ersichtlich. So ist "Sphären der Angst" in seinem Aufbau eher simpel gestrickt, verfehlt durch seine düsteren Rhythmen seine nachhaltige Wirkung aber nicht, hier lassen sich dann auch direkt noch ein paar Details finden, wie Tempowechsel, die das Geschehen etwas interessanter gestalten und letztlich auch nicht ganz unschuldig daran, dass der Song solch eine Wirkung erzielen kann. "Erwachen der Nordgeister" geht da ähnlich zu Werke, beinhaltet aber ein paar mehr Sample-Spielereien. Insgesamt hat dieser Beitrag eine eher getragene und unheimliche Atmosphäre inne, die von seiner gewollten Monotonie nur verstärkt wird. Erst im letzten Teil nimmt man noch etwas an Fahrt auf und präsentiert sich dabei nicht minder okkult. "Druidensang" lässt sich dann auch nicht lange bitten, sondern beginnt mit hymnischen schnelleren Midtempo-Rhythmen, die sich mit langsameren, beschwörenden Passagen abwechseln. So stellt "Druidensang" den abwechslungsreichsten Beitrag des Albums bisher dar, der darüber hinaus eine sehr düstere, okkulte und spirituelle Atmosphäre bietet, aber auch jede Menge Wut im Bauch hat. Mit "Schattengestalt" wird es dann wieder etwas gediegener. Jenes Lied lebt allein durch seine garstige atmosphärische Dunkelheit lebt. Zum Ende hin wird hier noch ein wahrer Ausbruch an Emotionen geboten, was einfach eine wohlige Gänsehaut verursacht. "Nachtexistenzen" wurde im Vorfeld der Veröffentlichung bereits als Video von der Band selbst online gestellt, und da das sehnsüchtige Warten auf das fertige Werk natürlich noch verstärkt, denn der Song stellt neben "Im Bann der Vergangenen" den eindeutigen Höhepunkt des Albums dar, da beide einfach alles in sich vereinen, was das Album ausmacht. Erhabene Finsternis, okkulte Atmosphären, spirituellen Tiefgang, schwarze Magie und wilde Kraft. Zu erwähnen ist hier auch der kurze Ausklang mit Klavier in "Nachtexistenzen". "Zeugen des Todes" zeigt sich nicht weniger zahnlos und peitscht ohne Umschweife nach vorne, und wird durch Breaks und Tempowechsel noch atmosphärisch aufgewertet. Den rituellsten Beitrag zelebriert man wohl in Form von "Der Weg ins Zwielicht", der vor allem langsam vorgetragen ist und eine bedrohliche, unheilvolle und beschwörende Atmosphäre aufweist, darüber hinaus aufgrund seines Tempos noch eine düstere und melancholische Stimmung inne hat. Dies wird durch einen schnelleren Mittelteil abgerundet. "Wächter der Leere" bildet den Abschluss und präsentiert sich ähnlich melancholisch bis unheilverkündend und wartet am Ende noch einmal mit Samples auf.

Fazit:
Anxietas, seines Zeichens alleiniger Kopf von SHARDS OF A LOST WORLD (außer bei Live-Auftritten) hat es mit seinem ersten Voll-Album "Zeichen des Todes" geschafft, mich wieder in seinen Bann zu ziehen. Wenn mich die Musik auch nicht gleich beim ersten durchhören gefangen hat, so weist sie bei eingehender Betrachtung und Beschäftigung doch ein paar interessante Details auf, die das eher primitive, aber atmosphärische Treiben enorm aufwerten. Die Musik dieses Künstlers war schon immer geprägt von jenseitigen und spirituellen Welten, Geistern und Dämonen, was hier gelungen in ein vollständiges Album transportiert wurde. Die CD kommt im Digipak und ist auf 500 Exemplare limitiert (nicht durch-nummeriert). Den letzten Fauxpas leistete sich Necro Genocide Records dann bei der letztendlichen Auslieferung des Werkes, denn dieses enthält, trotz Ankündigung, kein Beiheft! Hierfür hat die Band aber mittlerweile Abhilfe geschaffen, und bietet das komplette Beiheft als .PDF-Datei zum kostenlosen Download auf ihrer Visagenbuch-Seite an. Die CD erhaltet ihr direkt über die Band oder auch im Mailorder von Wolfmond Production, der Preis beläuft sich auf 10,- Euronnen.

Okkulter und atmosphärischer Schwarzmetall aus deutschen Landen. Ein fesselndes Debüt-Album!


Darbietungen:
01. Sphären der Angst
02. Erwachen der Nordgeister
03. Druidensang
04. Schattengestalt
05. Nachtexistenzen
06. Im Bann der Vergangenen
07. Zeugen des Todes
08. Der Weg ins Zwielicht
09. Wächter der Leere

Laufzeit: ca. 40 Minuten



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